Heute sollte nun der erste „richtige“ Reisetag unserer Tour werden. Anders als auf vielen unserer bisherigen Reisen haben wir diesmal bewusst auf eine detaillierte Routenplanung verzichtet. Statt Wochen im Voraus festzulegen, wo wir an welchem Tag sein wollen, lassen wir uns von Wetter, Gezeiten und spontanen Ideen treiben. Passend dazu trägt die Reise schließlich den Titel „Im Takt der Gezeiten“.
Ganz ohne Planung geht es natürlich trotzdem nicht. Bereits am Vorabend hatten wir uns die Wettervorhersagen für Nova Scotia angesehen. Während für einige Regionen kräftiger Regen und teilweise sogar Unwetter angekündigt waren, sah es rund um die Bay of Fundy deutlich freundlicher aus. Deshalb reservierten wir einen Stellplatz im Blomidon Provincial Park und legten damit die grobe Richtung für die nächsten Tage fest.
Nach einem kurzen Einkauf für ein paar Kleinigkeiten, die beim Großeinkauf am Vortag noch gefehlt hatten, machten wir uns schließlich auf den Weg ins Annapolis Valley. Das erste Ziel des Tages war die Grand-Pré National Historic Site. Mit der Geschichte der Akadier und ihrer Deportation hatte ich mich bereits vor der Reise etwas beschäftigt. Grand-Pré gilt als einer der wichtigsten Orte dieser Geschichte, daher wollten wir dort mehr darüber erfahren.
Am Eingang wartete die nächste angenehme Überraschung: kein Eintritt. Wir waren zunächst etwas verwundert, erfuhren aber, dass Parks Canada im Sommer 2026 im Rahmen des „Canada Strong Pass“ freien Eintritt in seine Nationalparks und historischen Stätten gewährt.
Da für den weiteren Tagesverlauf immer wieder Regen angekündigt war, entschieden wir uns zunächst (solange es noch trocken war) für den Rundgang durch die Außenanlagen. Die gepflegten Gärten, die Gedenkkirche und die Statue der Evangeline bilden das Herzstück der Anlage. Alles ist sehr schön gestaltet und lädt dazu ein, sich etwas Zeit zu nehmen.
In der Kirche wird auf Gemälden an das Leben und die Deportation der Acadier erinnert.
In den schön angelegten Gärten findet sich unter Anderem auch eine alte Schmiede.
Wieder zurück im Besucherzentrum schauten wir uns anschließend den Film zur Geschichte der Akadier an. Obwohl wir die grundlegenden Ereignisse bereits kannten, hat der Film die Geschichte noch einmal sehr eindrucksvoll vermittelt. Die Deportation der Akadier Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein Kapitel der kanadischen bzw. englisch-französischen Geschichte, das man vielleicht kennt, dessen Tragweite einem aber erst vor Ort wirklich bewusst wird.
Besonders interessant fanden wir die Erklärungen zu den von den Akadiern angelegten Deichen. Auf der Weiterfahrt durch das Annapolis Valley wussten wir plötzlich, worauf wir achten mussten, und entdeckten immer wieder diese Landschaft, die dem Meer Stück für Stück abgerungen wurde.
Spätestens nach dem Besuch war klar, warum Grand-Pré heute als nationale Gedenkstätte gilt. Für uns war es jedenfalls der Höhepunkt des Tages.
Nach Grand-Pré ging es weiter in Richtung Blomidon. Da wir ohnehin auf dem Weg waren, wollten wir natürlich auch den Blomidon Lookoff mitnehmen. Die Anfahrt war problemlos zu finden und das Wetter zeigte sich zwischenzeitlich sogar etwas gnädig. Zwar blieb der Himmel überwiegend grau, aber zumindest blieb es zunächst trocken.
Der Abstecher lohnte sich auf jeden Fall. Vom Aussichtspunkt hat man einen beeindruckenden Blick über das Minas Basin, den östlichen Ausläufer der Bay of Fundy. Von hier oben bekommt man erstmals eine Ahnung von den Dimensionen der Landschaft, die die Gezeiten über Jahrtausende geprägt haben.
Danach sollte es eigentlich nur noch ein kurzes Stück bis zum Blomidon Provincial Park sein. Eigentlich.
Die Zufahrtsstraße erwies sich nämlich als gesperrt. Das allein wäre noch kein großes Problem gewesen, allerdings fehlte jede geeignete Möglichkeit, das Wohnmobil zu wenden. Also fuhren wir erst einmal weiter. Und weiter. Und noch ein Stück weiter. Eine Wendemöglichkeit fanden wir schließlich erst in Scots Bay. Dort drehten wir um und machten uns auf den kompletten Rückweg, um den Provincial Park stattdessen über die Küstenstraße zu erreichen.
Währenddessen erinnerte uns das Wetter daran, dass die Prognosen für diesen Tag durchaus ernst zu nehmen waren. Immer wieder zogen kräftige Regenschauer durch und begleiteten uns auf den letzten Kilometern.
Irgendwann erreichten wir dann aber doch den Blomidon Provincial Park. Nicht ganz so direkt wie geplant, dafür mit einer ungeplanten Rundfahrt durch einen weiteren Teil von Nova Scotia.
Unser Stellplatz entschädigte uns dann aber für das eher durchwachsene Wetter des Tages. Direkt vor uns lag das Minas Basin, und als am Abend auch noch der Regen aufhörte, konnten wir sogar noch eine ganze Weile draußen sitzen und die Aussicht genießen.
Später wurde es dann doch etwas frischer, sodass wir uns ins Wohnmobil zurückzogen. Dort wurde eine der am Morgen erworbenen Flaschen Wein aus Grand Pré geöffnet. Während draußen langsam die Dämmerung über das Basin zog, ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Ein deutlich besseres Ende, als der verregnete Morgen hatte erwarten lassen.


































