Tag 2: Übernahme des Wohnmobils

Relativ früh ging es zum Frühstück im Hotel. Ehrlich gesagt hatten wir bei einem Flughafenhotel nicht viel erwartet, wurden aber positiv überrascht. Neben Kaffee, Saft, Joghurt, Toast und Bagels gab es auch Eier und Würstchen. Deutlich umfangreicher als das, was wir von vielen Hotels auf früheren Reisen gewohnt waren.

Anschließend warteten wir auf die Übergabe unseres Wohnmobils „Harvey“. Nicole, die Vermieterin, hatte sich bereits am Vortag gemeldet und angekündigt, dass es eventuell etwas später werden könnte, da ein Defekt aufgetreten sei. Aus der ursprünglich geplanten Übergabe um 10 Uhr wurden dann erst 11 Uhr und schließlich eher halb zwölf. Aber wir hatten Urlaub und der Campingplatz lag nur etwa 40 Kilometer entfernt, also bestand kein Grund zur Hektik.

Bei der Übergabe erfuhren wir dann auch den Grund für die Verzögerung. Am Herd war ein Gasleck festgestellt worden, also nichts, was man mal eben ignorieren sollte. Die Gasversorgung war deshalb stillgelegt worden und stattdessen bekamen wir einen elektrischen Zweiplattenkocher mit auf den Weg. Lieber so als anders. Davon abgesehen verlief die Übergabe schnell und unkompliziert. Diese Art Wohnmobil kannten wir schließlich schon von früheren Reisen.

Nach der problemlosen Übergabe von Harvey machten wir uns zunächst auf den Weg zum Atlantic Superstore. Auf früheren Reisen war unser erster Großeinkauf meist bei Walmart erfolgt, diesmal wollten wir einmal etwas anderes ausprobieren. Schließlich mussten wir das Wohnmobil für die kommenden Wochen mit allem versorgen, was man als Selbstversorger so benötigt.

Wie sich herausstellte, kann man problemlos mehrere Stunden in einem kanadischen Supermarkt verbringen. Neben der eigentlichen Einkaufsmission gab es schließlich auch jede Menge zu entdecken. Besonders beeindruckend waren die lebenden Hummer, die in großen Becken auf ihre Kundschaft warteten. Daran merkt man dann doch recht schnell, dass man in den Atlantikprovinzen angekommen ist.

Nach rund vier Stunden hatten wir ausreichend Lebensmittel für die ersten Tage, einen guten Überblick über kanadische Supermärkte und einen deutlich leichteren Geldbeutel. Wir konnten uns endlich auf den Weg zum nächsten Pflichttermin machen.

Der führte uns gleich nebenan zum NSLC, den staatlichen Wein- und Spirituosenläden von Nova Scotia. Dort waren wir vor allem von der großen Auswahl regionaler Weine überrascht. Dass in Nova Scotia Wein angebaut wird, war uns bekannt. Wie viele Weingüter und unterschiedliche Weine aus der Provinz dort vertreten waren, dagegen eher nicht.

Noch größer war die Freude allerdings, als wir einen alten Bekannten wiederentdeckten: einen Ahornsirup-Sahnelikör, den wir bereits auf unserer Reise durch Québec kennengelernt hatten. Manche Dinge müssen einfach mit ins Wohnmobil. Rein aus nostalgischen Gründen natürlich.

Irgendwann waren die Einkäufe verstaut, die Koffer ausgepackt und Harvey eingerichtet. Damit konnte der Urlaub dann endlich richtig beginnen. Unser Stellplatz auf dem KOA Halifax war recht offen gelegen. Einen schattenspendenden Baum gab es zwar, bei dem Wetter spielte das allerdings keine große Rolle.

Natürlich durfte am ersten Abend auch ein Lagerfeuer nicht fehlen. Das erwies sich allerdings als etwas hartnäckiger als gedacht. Das am Campingplatz gekaufte Brennholz hatte offenbar noch recht viel Feuchtigkeit gespeichert und zeigte zunächst wenig Begeisterung für unsere Pläne. Nach einiger Überzeugungsarbeit, unterstützt durch einen Teil der mitgebrachten BILD-Zeitung, kamen die ersten Flammen dann doch in Gang.

Hilfreich war dabei auch die Camping-Axt, die uns schon im vergangenen Jahr in Ontario und Quebec gute Dienste geleistet hat  und die extra den Weg von Deutschland nach Kanada antreten durfte. Man weiß schließlich nie, wann man sie braucht. An diesem Abend stellte sich heraus: genau jetzt.

Große Kochaktionen gab es nicht mehr. Nach dem ausgedehnten Einkauf und den vielen neuen Eindrücken reichten uns ein paar Snacks vollkommen aus. Dazu gab es ein, zwei Bierchen, während das Feuer langsam besser brannte und der erste richtige Abend im Wohnmobilurlaub begann.

Viel mehr brauchte es eigentlich nicht. Wir waren angekommen, Harvey war bezogen und die nächsten Wochen lagen noch vor uns.