Nova Scotia 2026 - Tag 13

Heute wollten wir ganz nach Süden. Als wir morgens aus dem Camper schauten, begrüßte uns noch strahlender Sonnenschein. Die Bedingungen hätten kaum besser sein können, also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Cape Sable Island, der südlichsten Ecke von Nova Scotia.

Unser erster kurzer Halt war der Drinking Brook Park, wo wir ein paar Fotos machten und die morgendliche Ruhe genossen.

Danach ging es weiter zum South Side Beach. Der breite Sandstrand präsentierte sich von seiner schönsten Seite. Während wir am Wasser entlangspazierten und die frische Meeresluft genossen, entdeckten wir sogar einen Seelöwen. Solche Begegnungen machen einen Strandspaziergang gleich noch ein wenig besonderer.

Langsam zogen jedoch Wolken auf. Der Wetterbericht versprach zwar einen trockenen Tag, aber der blaue Himmel wurde zunehmend von einer grauen Wolkendecke verdrängt.

Nach einiger Zeit fuhren wir weiter zum nächsten Strand, dem Hawk Beach. Auf der Fahrt dorthin sahen wir einen Baum, wir wussen gar nicht, dass in Nova Scotia die Bojen für die Fischernetze und Hummerkästen auf Bäumen wachsen…

Auch hier führte uns der erste Weg natürlich ans Wasser. Wir machten einige Fotos und ließen uns anschließend auf den typischen kanadischen Muskoka Chairs nieder, die in den Dünen aufgestellt waren. Von dort konnten wir einfach aufs Meer schauen und eine Weile die Seele baumeln lassen.

Irgendwann meldete sich dann doch der Hunger. Am Hawk Veterans Memorial holten wir unsere etwas verspätete Mittagspause nach und genossen die ruhige Atmosphäre.

Für den Rückweg entschieden wir uns bewusst gegen die schnellste Strecke. Stattdessen folgten wir weitgehend dem Lighthouse Trail, der immer wieder schöne Ausblicke auf die Küste bietet und deutlich besser zu einem entspannten Urlaubstag passt als die Schnellstraße.

In Barrington legten wir noch einen kurzen Stopp am Wollmühlenmuseum ein. Leider kamen wir zu spät, das Museum hatte bereits geschlossen.

Also ging es weiter zum Baccaro Point. Dort schauten wir uns den Leuchtturm an, der malerisch an der Küste steht. Direkt daneben befindet sich allerdings eine moderne Küstenradarstation. So nützlich sie auch sein mag, optisch wirkt sie zwischen Meer, Felsen und Leuchtturm ein wenig wie ein Besucher aus einer anderen Welt.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen Zaun entdeckt, offenbar werden die Bojen nach der Ernte von den Bäumen an Zäunen zum Nachreifen aufgehängt…

Zurück auf dem Campingplatz erwartete uns die nächste Herausforderung des Tages. Heute waren wir die einzigen Gäste auf dem Platz. Gestern waren die Stellplätze für Wohnmobile noch fast vollständig belegt gewesen, jetzt herrschte eine fast schon gespenstische Ruhe. Diese Ruhe wussten allerdings vor allem die Mücken zu schätzen.

Kaum waren wir ausgestiegen, eröffneten sie ihren Angriff auf die neuen Opfer. Kurz darauf begann es jedoch zu regnen. Der Regen vertrieb die Mücken zwar zuverlässig, sorgte allerdings auch dafür, dass wir den Rest des Nachmittags nicht mehr draußen verbringen konnten.

So endete ein ruhiger Tag am südlichsten Punkt Nova Scotias mit grauen Wolken, Regentropfen auf dem Camperdach und der Erkenntnis, dass die Natur manchmal ihre ganz eigene Art hat, Probleme zu lösen: Erst kommen die Mücken. Dann kommt der Regen. Am Ende verlieren irgendwie alle.

Nova Scotia 2026 - Tag 12

Der Tag begann mit dem Cape Forchu Lighthouse. Auf dem Weg dorthin legten wir noch einen kurzen Stopp an einem Aussichtspunkt ein, von dem aus man einen schönen Blick auf Yarmouth und die Bucht hat. Der Leuchtturm selbst war schnell erreicht, ein kurzer Besuch, ein paar Fotos, dann ging es weiter. Unterwegs füllten wir noch Gas auf — bei Home Hardware, das praktischerweise direkt am Weg lag. Auf dem Weg konnten wir einige schöne alte Häuser in Yarmouth sehen.

Danach fuhren wir wie am Vortag wieder bis nach Pubnico und bogen dort auf die Küstenstraße ab, den Lighthouse Trail. Nach kurzer Fahrt erreichten wir Shag Harbour, den Ort des in entsprechenden Kreisen berühmten UFO‑Vorfalls von 1967. Viel zu sehen gibt es dort nicht, aber die Geschichte ist kurios genug, um einen Stopp zu rechtfertigen. Wir trafen einen Fischer, der einfach das schöne Wetter nutzte, um aufs Meer zu schauen. Ein sehr entspannter Moment.

Einige Kilometer weiter besuchten wir das kleine Museum der Shag Harbour UFO Incident Society. Die Ausstellung ist liebevoll gemacht, aber das Fazit bleibt: Nichts Genaues weiß man nicht. Ein sympathischer Ort, der sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Wieder nur eine kurze Fahrt später erreichten wir Captain Kat’s Lobster Shack. Über das Restaurant hatte ich schon bei der Vorbereitung gelesen, besonders über die preisgekrönten Lobster Rolls. Und ja — sie sind wirklich gut. Anständige Portionen, richtig lecker, und ein perfekter Stopp zur (verspäteten) Mittagszeit.

Eigentlich wollten wir danach noch nach Cape Sable Island abbiegen, aber wir waren so satt und das Wetter so schön, dass wir beschlossen, erst einmal zum Campingplatz zu fahren und uns den anzusehen, und zu überlegen, ob wir vielleicht einen Tag länger bleiben. Der Campingplatz lag direkt am Meer, mit weiter Aussicht über die Küste. Nach wenigen Minuten war klar: Wir bleiben.

Bevor die Sonne unterging, machten wir noch einen kurzen Spaziergang durch die Salzwiesen zum steinigen Strand. Das Licht wurde weicher, die Luft ruhiger. Den Sonnenuntergang selbst genossen wir mit einem Glas Wein — ein wunderschöner Moment, der den Tag perfekt abrundete.

Von den Nachbarn und der Betreiberin erfuhren wir später, dass am Morgen Seelöwen in der Nähe gewesen waren, die man vom Campingplatz aus gut sehen konnte. Vielleicht haben wir morgen Glück.

Ein ruhiger, sonniger Tag mit schönen kleinen Abzweigungen — und einem Abend, der lange nachwirkt.

Nova Scotia 2026 - Tag 11

Nach den vielen Fahrten und Wanderungen der vergangenen Tage stand heute nur ein Programmpunkt auf dem Plan: das Village historique acadien de la Nouvelle-Écosse, ein Museumsdorf, das das Leben der Acadier im 19. und frühen 20. Jahrhundert zeigt.

Die Geschichte der Region reicht jedoch deutlich weiter zurück. Französische Siedler lebten bereits seit dem 17. Jahrhundert in dieser Gegend. Hier gründete Baron L’Entremont die erste offizielle Baronie Akadiens. Wie viele andere Acadiers wurden auch die Menschen dieser Region während der Deportationen ab 1755 vertrieben. Anders als die Acadiers von Grand-Pré konnten jedoch viele Familien später in ihre angestammte Heimat zurückkehren. Noch heute trägt hier angeblich jeder vierte Einwohner den Nachnamen L’Entremont.

Schon beim Betreten des Museumsdorfes wurden wir von einem verführerischen Duft aus dem angeschlossenen Café begrüßt. Die Versuchung war groß, aber das musste warten. Zuerst wollten wir das Dorf erkunden.

Gleich am Eingang stand ein kleiner Unterstand, in dem sich eine Kuh mit ihrem Kalb vor den Besuchern versteckte. Emma und Leo schauten nur neugierig aus ihrem Unterstand hervor und beobachteten das Geschehen.

Unser erster Halt war eines der Wohnhäuser. Dort empfing uns eine freundliche Dame in historischer Kleidung mit frisch gebackenen Keksen nach einem alten Rezept. Sie erinnerten geschmacklich ein wenig an Spekulatius und waren ausgesprochen lecker. Natürlich fragte ich sofort nach dem Rezept. Zu meiner Freude versprach sie mir eine Kopie für später.

Zunächst erzählte sie uns jedoch ausführlich vom Leben der Familien, die einst in diesem Haus wohnten. Mehr als zwanzig Menschen, Erwachsene und Kinder, lebten hier unter einem Dach. Heute kaum vorstellbar.

Anschließend schauten wir in der kleinen Poststation vorbei und gingen danach weiter zur Schmiede. Der Schmied erklärte uns anschaulich sein Handwerk und welche Gegenstände früher in einer Dorfschmiede hergestellt wurden. Während wir zuhörten, schmiedete er einen Nagel und versah den Kopf mit unseren Initialen. Ein schönes und sehr persönliches Andenken.

Danach besichtigten wir ein weiteres Wohnhaus, das deutlich kleiner war als das erste. Auch hier wurde uns das Leben der damaligen Bewohner ausführlich erläutert. Genau das machte den Reiz des Museumsdorfes aus: Überall traf man Menschen, die nicht nur etwas vorführten, sondern die Geschichte lebendig werden ließen.

Weiter ging es zum Bootsbauer. Dort erfuhren wir, wie die verschiedenen traditionellen Boote der Acadier gebaut wurden und welche Techniken dabei verwendet wurden. Man konnte sich gut vorstellen, wie wichtig diese Boote für die Fischerei und den Alltag gewesen sein mussten.

Mittlerweile meldete sich der Hunger, also machten wir uns auf den Weg zurück zum Café. Leider waren wir etwas zu spät. Sämtliche Speisen waren bereits ausverkauft. So blieb es bei einem kühlen Getränk und einem netten Gespräch mit den drei Damen hinter dem Tresen.

Als wir wieder hinausgingen, bemerkten wir, dass Emma und Leo inzwischen ihren Unterstand verlassen hatten. Kurz darauf kam ein Mitarbeiter mit einem Handkarren vorbei und brachte den beiden ein kleines Leckerli in Form von Mais und Kraftfutter. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte uns, dass er gleich noch einige Küchenreste für die Schweine holen würde, die in einem anderen Teil des Dorfes untergebracht waren. Später stellte sich heraus, dass der freundliche Herr eigentlich der Radmacher des Dorfes war.

Wir gingen anschließend zurück in Richtung Küste, wo hinter dem Bootsbauer der Fischer auf Besucher wartete. Er berichtete vom Hummerfang, zeigte, wie Netze geknüpft werden, und erzählte allerlei Wissenswertes über die Fischerei. Übrigens trug auch er den Nachnamen L’Entremont. Die Familiengeschichte der Region lebt hier tatsächlich bis heute weiter.

Neben dem Steg lag ein Boot am Wasser, ein weiteres ruhte im Schlick. Gleich daneben wurde in einem kleinen Gebäude Fisch verarbeitet und durch Salzen und Trocknen haltbar gemacht. Wir erfuhren, wie der Fisch früher in kleinen Holzkisten verkauft wurde. Solche Kisten sind übrigens bis heute beliebt und dienen oft zur Aufbewahrung aller möglichen Dinge. Natürlich durften wir auch ein kleines Stück des getrockneten Fisches probieren.

Danach spazierten wir noch zum kleinen Leuchtturm, der selbstverständlich zu einem Fischerdorf dazugehört.

Unser letzter größerer Halt war schließlich beim Radmacher. Er erklärte ausführlich den Aufbau von Wagenrädern und die Unterschiede zwischen den Rädern von Kutschen und denen schwerer Ochsenkarren. Im Grunde waren beide ähnlich aufgebaut, doch die Räder der Ochsenkarren mussten wesentlich robuster sein, da sie deutlich größere Lasten transportierten. Überhaupt spielten Pferde bei den Acadiern nur eine vergleichsweise kleine Rolle. Ochsen waren für viele Aufgaben einfach praktischer und zuverlässiger.

Mittlerweile war es schon nach 16 Uhr, und wir gehörten fast zu den letzten Besuchern des Tages. Also statteten wir noch den Schweinen einen kurzen Besuch ab und machten uns dann auf den Weg zum Ausgang.

Unser Fazit: ein ausgesprochen interessantes Museumsdorf mit engagierten Mitarbeitern, spannenden Vorführungen und vielen Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen. Wer sich für die Geschichte der Acadier interessiert, sollte sich einen Besuch auf keinen Fall entgehen lassen.

Auf dem Rückweg legten wir noch einen kurzen Stopp bei Dennis Wharf ein, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Ein paar Fotos später ging es zurück zum Campingplatz.

Dort wartete am Abend ein weiteres Nova-Scotia-Erlebnis auf uns: unser erstes Bingo-Spiel. Zum Glück setzte sich eine erfahrene Bingospielerin mit an unseren Tisch und erklärte uns geduldig die verschiedenen Spielvarianten und Regeln. Gewonnen haben wir zwar nichts, aber wir hatten jede Menge Spaß. Und genau so sollte es doch sein.

Ohne Lagerfeuer, aber mit vielen schönen Eindrücken vom Tag, ließen wir den Abend schließlich gemütlich ausklingen.

Nova Scotia 2026 - Tag 10

Der Morgen begann grau. Während leichter Regen auf das Wohnmobil prasselte, machten wir uns bereit für die Weiterfahrt. Bevor wir den Kejimkujik Nationalpark endgültig verließen, hielten wir noch kurz am Eingang, um die charakteristischen roten Parks‑Canada‑Stühle zu fotografieren. Ein kleines Ritual, das irgendwie dazugehört.

Dann ging es wieder Richtung Annapolis Royal, um auf die 101 zu kommen. Wir fuhren noch einmal an Digby vorbei und erinnerten uns an das überraschend schöne Wochenende dort — das Biker‑Treffen, der Digby Neck, die Fähren, die kleinen Orte. Inzwischen hatte der Regen fast vollständig aufgehört.

Kurz darauf entdeckten wir einen Hinweis auf den Leuchtturm von Gilbert’s Cove. Spontan bogen wir ab. Der kleine Leuchtturm liegt direkt am Wasser, mit einer charmanten Ausstellung über das Leben der Leuchtturmwärter. Im Andenkenshop fand Nele eine Schürze, die natürlich mit musste. Ein ungeplanter Stopp, der sich sofort richtig anfühlte — und einer der Höhepunkte des Tages.

Zurück auf der Hauptstraße fuhren wir weiter zu den Kirchen der Akadier, die entlang der Route liegen. Die erste war die Église Saint‑Bernard, eine der großen katholischen Kirchen der akadischen Gemeinden. Anders als viele andere Kirchen, die aus Holz gebaut sind, besteht Saint‑Bernard aus Granit. Die Steine wurden damals mit Ochsenkarren von der Eisenbahn zur Baustelle gebracht — eine Vorstellung, die den Bau plötzlich sehr greifbar macht. Leider war die Kirche wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber ein paar Außenfotos waren möglich.

Weiter ging es zur Église Sainte‑Marie, der Hauptkirche der Akadier in dieser Region. Auch sie ist derzeit nicht zugänglich und soll renoviert werden. Nach einem Blick auf die Fassade ist klar: Das ist dringend nötig. Trotzdem ist der Bau beeindruckend und vermittelt gut, welche Bedeutung diese Kirche einmal hatte.

Ganz in der Nähe liegt der kleine Leuchtturm Le Phare de la Pointe, den wir für unsere Mittagspause ansteuerten. Ein ruhiger Ort, mit Blick auf das Wasser. Nach dem Essen machten wir noch einen kurzen Spaziergang zum Strand, bevor wir weiterfuhren.

Die nächste Kirche war die Église Sacré‑Coeur, die im Gegensatz zu den vorherigen geöffnet war. Innen besticht sie durch zahlreiche farbige Fenster, die den Raum in ein warmes Licht tauchen. Ein schöner Kontrast zu den geschlossenen Kirchen zuvor.

Auf der Weiterfahrt entdeckten wir eine kleine Werft und hielten spontan an. Von der anderen Flussseite konnten wir gut sehen, wie mehrere Fischerboote zur Reparatur dort lagen. Ein kurzer, aber interessanter Blick in den Alltag der Region.

Zum Abschluss der „Kirchenrunde“ fuhren wir zur Église Saint‑Alphonse, einer typischen akadischen Holzkirche. Besonders sehenswert ist der Altarbereich, der trotz seiner Schlichtheit viel Atmosphäre hat. Danach war unsere kleine Tour durch die Kirchen der Akadier für heute beendet — und inzwischen war auch die Sonne herausgekommen.

Wir fuhren weiter zum Campingplatz in der Umgebung von Yarmouth, checkten ein und machten uns anschließend noch einmal auf den Weg, um einige Vorräte zu ergänzen. Zurück am Platz gab es Abendessen und später ein Lagerfeuer. Wir saßen lange draußen, schauten in die Sterne und ließen den Tag ruhig ausklingen.

Nova Scotia 2026 - Tag 9

Nach einem entspannten Frühstück machten wir uns erneut auf den Weg in den Kejimkujik Nationalpark. Unser erstes Ziel war der Parkplatz bei Mill Falls, von dem aus mehrere kurze Wanderungen starten. Zunächst schauten wir uns die kleinen Wasserfälle an, die sich dort über Felsen und Wurzeln ihren Weg bahnen. Kein spektakulärer Wasserfall, aber ein schöner, ruhiger Ort, an dem man gut ankommen kann.

Anschließend überquerten wir eine Brücke über den Mersey River und liefen eine kleine Schleife des Ukme’k Trail. Insgesamt waren es etwa drei Kilometer, die sich angenehm durch den Wald zogen. Unterwegs begegneten uns zahlreiche kleine Hörnchen, die geschäftig über den Boden huschten oder sich lautstark über unsere Anwesenheit beschwerten. Größere Tiere ließen sich dagegen nicht blicken.

Dafür gab es Pilze in allen Farben und Formen. Manche leuchteten regelrecht aus dem Unterholz, andere wirkten wie kleine Skulpturen. Immer wieder boten sich schöne Blicke auf den Fluss und in den dichten Wald, der hier stellenweise fast wie ein Urwald wirkt.

Zurück an der Brücke entschieden wir spontan, noch einmal beim Visitor Centre vorbeizuschauen, das nicht weit entfernt lag. Danach ging es zurück zum Wohnmobil. Insgesamt kamen wir auf gute vier Kilometer — eine angenehme Vormittagsrunde.

Für das Mittagspicknick hatten wir uns den Merrymakedge Beach ausgesucht, und das erwies sich als hervorragende Wahl. Der Strand war fast menschenleer, und wir fanden einen Tisch direkt am Wasser mit Blick auf den großen See. Dort breiteten wir unsere Sachen aus und genossen die Ruhe. Nur ein paar vereinzelte Stimmen und das leise Plätschern am Ufer waren zu hören.

Nach dem Essen machten wir uns langsam wieder auf den Weg Richtung Campground, wollten aber vorher noch den Rogers Brook Trail gehen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Aussichtsturm vorbei. Die obere Plattform hätte eigentlich einen schönen Blick über den See bieten sollen, aber die Bäume waren inzwischen so stark gewachsen, dass der See nur noch zu erahnen war.

Der Rogers Brook Trail gilt als guter Ort, um Schildkröten, Biber, Vögel und Frösche zu beobachten. Heute allerdings: Fehlanzeige. Kein Tier weit und breit. Dafür führte der Weg durch einen verwunschenen Märchenwald, der den fehlenden Wildlife-Faktor problemlos wettmachte. Moosbewachsene Stämme, schmale Holzstege, kleine Lichtungen — ein Weg, der weniger wegen seiner Tiere, sondern wegen seiner Atmosphäre in Erinnerung bleibt. Für uns war es der Höhepunkt des Tages.

Nach ungefähr einem Kilometer standen wir wieder am Wohnmobil. Auf dem Rückweg zum Campground nahmen wir noch zwei Bündel Holz mit — das Wetter war gut, und wir wollten den Abend draußen verbringen. Am Platz entfachten wir das Feuer relativ früh und verbrachten einen langen, gemütlichen Abend davor. Die Flammen knisterten, der Rauch stieg ruhig in den Himmel, und der Tag klang so aus, wie ein Tag im Keji ausklingen sollte: warm, ruhig und draußen.

Nova Scotia 2026 - Tag 8

Der Morgen begann noch in Digby, wo wir zunächst ein paar praktische Dinge erledigten. Unsere Vorräte wurden ergänzt, Getränke und Wasser aufgefüllt und Harvey bekam eine frische Tankfüllung. Außerdem kauften wir bei Carla’s Takeout, einem Fischladen für Einheimische, noch tiefgekühlten Fisch und Scallops. Gut versorgt machten wir uns anschließend auf den Weg.

Unser erster Stopp war Bear River, ein kleiner Ort, der sich selbst gern als Künstlerdorf bezeichnet. Wir parkten Harvey direkt an der Brücke über den Bear River und erkundeten den Ort zu Fuß. Besonders auffällig sind die vielen Häuser, die auf Stelzen gebaut sind. Der Tidenhub der Bay of Fundy beträgt hier immer noch bis zu sieben Meter, und die Gebäude müssen sich entsprechend anpassen. Der Ort wirkte ruhig, freundlich und ein wenig zeitlos. Ein schöner Spaziergang und definitiv einer der Höhepunkte des Tages.

Danach ging es weiter über kleine Dörfer und Nebenstraßen in Richtung Kejimkujik National Park. Die Reservierung für den Campingplatz hatten wir bereits am Vorabend vorgenommen, also konnten wir entspannt anreisen. Am Parkeingang begrüßte uns ein ausgesprochen gut gelaunter Ranger, der sofort für gute Stimmung sorgte.

Im Visitor Centre schauten wir uns die Ausstellung über Geschichte, Fauna und Flora des Parks an. Außerdem gab es einen kleinen Shop, aus dem wir nicht ganz ohne Andenken herauskamen: je ein T‑Shirt für Nele und mich sowie eine Jacke für mich. Wenn man schon einmal da ist.

Auf dem Weg zum Campingplatz lagen mehrere Aussichtspunkte, die wir natürlich mitnahmen. Von dort hatten wir sehr schöne Blicke auf den Mersey River, der sich ruhig durch den Park schlängelt. Ein erster Eindruck von der Atmosphäre des Keji: viel Wald, viel Wasser, viel Ruhe.

Am Campground angekommen, checkten wir ein und nahmen zwei Bündel Feuerholz mit. Auf unserem Platz stellten wir Harvey ab, richteten die Stühle an der Feuerstelle aus und holten den Gasgrill aus dem Kofferraum. Am Abend sollte es Steaks und Maiskolben geben — die Maiskolben hatten wir noch von Spurr Brothers dabei.

Das Feuer ließ sich gut entzünden und brannte schön. Nele bereitete einen Salat zu, während ich den Grill startklar machte. Erst kamen die Maiskolben auf den Rost, dann die Steaks. Gegessen haben wir draußen, mit Blick auf das Feuer und die langsam einsetzende Abenddämmerung. Später saßen wir noch lange am Feuer und konnten viele Sterne sehen. Ein perfekter Abschluss des Tages und der zweite Höhepunkt.

Ein ruhiger, schöner Tag, der sich langsam aufgebaut hat: erst ein Künstlerdorf, dann Wald und Wasser, und am Ende ein Campfire unter einem klaren Himmel.

Nova Scotia 2026 - Tag 7

Nach einem entspannten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Der Plan war einfach: einmal den Digby Neck entlang, weiter über Long Island bis nach Brier Island. Drei Inseln, zwei Fähren, viele Eindrücke — und wie immer die Bereitschaft, Pläne spontan anzupassen.

Der erste Abstecher führte uns nach einiger Zeit zum Trout Cove. Eine kleine Straße, die sich zwischen Wiesen und Bäumen hindurchschlängelte, brachte uns zu einem winzigen Hafen. Wir parkten oberhalb davon und machten einen kleinen Rundgang. Einige Hummerfischerboote lagen ruhig im Wasser, aber kein Mensch war zu sehen. Der Ort wirkte, als hätte er beschlossen, kollektiv eine Pause einzulegen. Die Gezeiten hatten ihre Spuren hinterlassen: Algen, Spuren im Sand, Boote, die deutlich tiefer lagen als noch vor ein paar Stunden. Ein stiller, schöner Moment.

Auf dem Weg zurück auf die Hauptstraße legten wir noch einen kurzen Stopp bei zwei verlassenen Kirchen ein, die sich direkt gegenüberstanden. Beide sahen aus, als hätten sie schon viele Winter überstanden, die eine schien bis vor einigen Jahren noch in Betrieb gewesen zu sein, ein Blick durchs Fenster zeigte aber eher einen Abstellraum mit Werkstatt, in dem auch Kirchenmöbel standen. Irritierend fanden wir das seitlich eingebaute Garagentor, das passte irgendwie so gar nicht.

Einige Kilometer weiter bogen wir erneut ab, diesmal Richtung Sandy Cove Beach an der Bay of Fundy. Wieder eine schmale Straße, die bei Gegenverkehr durchaus spannend werden konnte. Aber der Weg lohnte sich: ein wunderschöner, einsamer Strand, an dem sich die wenigen Besucher problemlos verteilten. Wir setzten uns auf eine Bank, genossen die Sonne und den Blick über die Bucht.

Wale ließen sich heute nicht blicken, aber dafür zog in der Ferne ein Frachtschiff vorbei, das perfekt in die Szenerie passte.

Nach einer Weile machten wir uns wieder auf den Weg zurück zur Hauptstraße. Nur noch wenige Kilometer trennten uns von der ersten Fähre, der East Ferry. Die Wartezeit war kurz, und schon bald tuckerten wir über das Wasser nach Long Island.

Kaum von Bord, stand die Feuerwehr am Straßenrand und hatte die Straße abgesperrt. „Fill our boots“ stand auf dem Schild — eine Spendenaktion. Wir warfen fünf Dollar in den Stiefel und kamen kurz mit einem der Feuerwehrleute ins Gespräch. Freundlich, entspannt, typisch Nova Scotia.

Weiter ging es Richtung Balancing Rock, unserem eigentlichen nächsten Ziel. Allerdings war dort kein einziger Parkplatz frei. Also fuhren wir erst einmal weiter und fanden nach ein paar Kilometern einen kleinen Picknick-Park. Perfekt für eine Mittagspause.

Gestärkt machten wir uns schließlich auf den Weg zur zweiten Fähre nach Brier Island. Als wir ankamen, sahen wir gerade noch, wie sie ablegte. Die nächste Abfahrt? Ungewiss. Also strichen wir Brier Island für heute und schauten uns stattdessen noch kurz Freeport an — ein kleiner Ort, der sich einmal mehr als typisch für die Region erwies: ruhig, freundlich, ein bisschen wettergegerbt.

Danach fuhren wir zurück zum Balancing Rock. Der Parkplatz war inzwischen fast leer, also machten wir uns auf die Wanderung. Der erste und längste Teil des Weges führte rund einen Kilometer fast komplett geradeaus, ohne nennenswerte Steigungen. Erst der letzte Abschnitt bestand aus Stufen — 235 Stufen, um genau zu sein. Runter war das alles noch recht entspannt, aber natürlich mussten wir sie später auch wieder hinauf. Egal, da mussten wir durch.

Unten angekommen sahen wir den Balancing Rock schließlich. Er war kleiner, als ich ihn mir vorgestellt hatte, aber trotzdem beeindruckend. Die Aussicht über die St. Mary’s Bay hinüber zum Festland war wunderschön und machte den Abstieg absolut lohnenswert.

Der Aufstieg zurück war weniger schlimm als befürchtet. Die 235 Stufen hatten es zwar in sich, aber oben angekommen waren wir zwar gut außer Atem, dafür war der restliche Weg wieder flach und angenehm. Insgesamt eine schöne Wanderung — und ein Ziel, das man nicht verpassen sollte, wenn man auf Long Island ist.

Wir fuhren anschließend zurück zum Campingplatz. Die Feuerwehr vom Vormittag war inzwischen verschwunden, und die Fähre war bereits auf dem Weg zu unserer Seite. Zurück am Wohnmobil kochte Nele uns etwas Leckeres, und wir planten die nächsten Tage.

Da das Wetter zumindest Dienstag und Mittwoch gut werden sollte, entschieden wir uns für den Kejimkujik Nationalpark. Für Donnerstag war wieder Regen angesagt, aber das ist Zukunftsmusik. Den Platz im Nationalpark reservierten wir direkt.

Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Absacker — und dann ging es früh ins Bett. Ein langer, abwechslungsreicher Tag ging zu Ende.

Nova Scotia 2026 - Tag 6

Der Morgen begann mit einem vertrauten Geräusch: Regen. Die Wettervorhersage versprach Besserung – allerdings erst morgen. Also beschlossen wir, den Tag entspannt anzugehen und einfach das Beste aus dem nassen Grau zu machen. Da wir ohnehin noch einiges ansehen wollten, verlängerten wir kurzerhand unseren Aufenthalt auf dem Campingplatz, was problemlos ging.

Eigentlich hatten wir für den nächsten Tag eine Walbeobachtungstour ins Auge gefasst. Die Betonung liegt auf eigentlich. Die meisten Anbieter hatten ihre Touren für die kommenden Tage abgesagt – es war halt Wetter…

Unser heutiges Programm sollte uns nach Annapolis Royal führen. Weitere mögliche Ziele wie Bear River oder die Lazy Bear Brewery hatten wir ebenfalls im Hinterkopf. Spoiler: Es blieb beim Hinterkopf.

In Annapolis Royal angekommen, zeigte der Regen, dass er noch lange nicht genug hatte. Also entschieden wir uns für das Naheliegende: das Museum im Fort Anne. Immerhin war der Eintritt dank des „Canada Strong Pass“ weiterhin kostenlos – ein kleiner Lichtblick im ansonsten sehr grauen Tagesverlauf.

Das Museum selbst war überraschend interessant. Besonders die ausführlichen Informationen über die Mi’kmaq, ihre Kultur und ihre Beziehungen zu den europäischen Siedlern waren sehr gut aufbereitet. Trotz des Wetters war es ein lohnender Stopp, und wir verbrachten deutlich mehr Zeit dort, als wir ursprünglich geplant hatten.

Als wir wieder draußen standen, regnete es immer noch. Natürlich. Also füllten wir kurz unsere Vorräte auf – man weiß ja nie, wann man wieder irgendwo feststeckt. Danach ließ der Regen tatsächlich etwas nach, und wir nutzten die Gelegenheit, um uns zumindest kurz den Außenbereich der Festung anzusehen. Es war zwar nass, aber die Anlage selbst war beeindruckend und bot einen guten Eindruck von der historischen Bedeutung des Ortes.

Kurz darauf wurde der Regen wieder stärker, als hätte er gemerkt, dass wir uns zu sehr entspannten. Bear River strichen wir daher endgültig von der Liste, und die Lazy Bear Brewery hatte am Montag ohnehin geschlossen. Also steuerten wir den Campingplatz an und machten es uns dort gemütlich. Aber zumindest bei der Durchfahrt haben wir noch etwas von Annapolis Royal gesehen…

Zum Abendessen gab es etwas Selbstgekochtes im Wohnmobil, und später ließen wir den Tag mit einem Film ausklingen. Draußen prasselte der Regen weiter gegen die Fenster, aber drinnen war es warm, trocken und gemütlich. Erst am späten Abend hörte der Regen auf und es waren sogar einige Sterne zu sehen.

Ein ruhiger, nasser, aber dennoch schöner Tag – und morgen sollte es ja besser werden. Hoffentlich.

Nova Scotia 2026 - Tag 5

Nach den eher ruhigen Tagen stand heute einmal etwas völlig anderes auf dem Programm. Digby befand sich nämlich fest in der Hand der Motorradfahrer. Die jährliche Wharf Rat Rally lockt jedes Jahr Tausende Biker in die kleine Hafenstadt und da wir schon einmal hier waren, wollten wir uns das Spektakel natürlich nicht entgehen lassen.

Am Morgen machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Dafür nutzten wir den Wander- und Radweg, der auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft und direkt am Campingplatz vorbeiführt. Die Strecke führt größtenteils durch den Wald und bietet eine angenehme Alternative zur Straße. Schon unterwegs begegneten uns immer mehr Motorräder, die in Richtung Digby unterwegs waren. Man musste nicht hinschauen, um zu wissen, dass die Rally bereits in vollem Gange war.

In der Stadt angekommen, wurde schnell klar, dass heute Ausnahmezustand herrschte. Überall standen Motorräder. Auf den Straßen, auf Parkplätzen, vor den Geschäften und entlang des Hafens reihten sich die Maschinen Stoßstange an Stoßstange beziehungsweise Lenker an Lenker. Vom glänzend restaurierten Oldtimer bis zur hochmodernen Touring-Maschine war alles vertreten. Auch wenn Motorräder normalerweise nicht unbedingt zu unseren Lieblingsthemen gehören, gab es hier genug zu sehen, um immer wieder einen Blick zu riskieren.

Wir schlenderten zunächst durch die Straßen und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Immer wieder blieben wir stehen, um besonders interessante Maschinen zu betrachten. Manche waren echte Kunstwerke mit aufwendiger Lackierung und zahllosen Chromteilen, andere wirkten eher wie kreative Eigenbauprojekte. Auf jeden Fall gab es viel zu sehen.

Natürlich durfte auch ein Spaziergang entlang des Hafens nicht fehlen. Die Mischung aus den bunten Fischerbooten, dem geschäftigen Treiben und den Tausenden Besuchern sorgte für eine ganz besondere Stimmung. Es war erstaunlich, wie gut das Motorradfestival und die maritime Kulisse zusammenpassten.

Gegen Mittag meldete sich langsam der Hunger. Wir kehrten in einem der Restaurants an der Waterfront ein und gönnten uns ein spätes Mittagessen. Von unserem Platz aus konnten wir die Band in der benachbarten Bar hören. Die Musik war wirklich gut und bildete einen interessanten Kontrast zu den ununterbrochen vorbeifahrenden Motorrädern.

Nach dem Essen bummelten wir weiter durch die Stadt. In den Geschäften wurde gestöbert und Nele hat auch ein T-Shirt als Souvenir gefunden.

Am Nachmittag zog es uns noch einmal zum Hafen. Dort hatte sich inzwischen eine größere Menschenmenge versammelt. Auf einem der zahlreichen Hummer- und Muschelfischerbooten war am Heck ein großer Metallkäfig angebracht. Darin fanden die Burnouts statt. Dabei wird das Motorrad festgehalten, während das Hinterrad durchdreht und möglichst viel Qualm produziert. Der Geruch von verbranntem Gummi lag in der Luft und die Zuschauer feuerten die Teilnehmer begeistert an. Beeindruckend war das Ganze schon, auch wenn wir nach einiger Zeit wieder genug von Lärm und Rauch hatten.

Langsam machten wir uns anschließend auf den Rückweg zum Campingplatz. Nach dem Trubel in der Stadt wirkte der Weg über die ehemalige Bahntrasse fast schon idyllisch. Die Geräusche der Veranstaltung wurden mit jedem Schritt leiser und wurden schließlich wieder von Vogelgezwitscher und dem Rascheln der Bäume ersetzt.

Zurück am Wohnmobil ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Nach den vielen Eindrücken hatten wir keine Lust mehr auf weitere Unternehmungen. Stattdessen machten wir es uns bequem und schauten noch einen Film. Dazu gab es einen Urlaubsdrink, den wir auf dieser Reise für uns entdeckt haben: Wodka mit Blaubeersaft. Einfach, aber überraschend lecker.

Als es draußen längst dunkel war, hörten wir immer noch das Röhren der Motorräder. Ein ungewöhnlicher Reisetag ging zu Ende. Die Wharf Rat Rally war sicher nicht das, was man bei einer Reise durch Nova Scotia als Erstes erwartet. Gerade deshalb war sie eine interessante Abwechslung und wieder einmal ein Erlebnis, das wir ohne unsere spontane Reiseplanung vermutlich nie entdeckt hätten.

Tag 4: Flugzeuge, Cider und Eisenbahnen im Annapolis Valley

Nachts hatte es schon kräftig geregnet und auch am Morgen zeigte sich das Wetter wenig motiviert, Vom Minas Basin war wegen Regen und Nebel nichts zu sehen. Also hieß es: Wohnmobil startklar machen und bei strömendem Regen den Blomidon Provincial Park verlassen. Statt den direkten Weg zu nehmen, fuhren wir gemütlich über die kleinen Orte im Annapolis Valley in Richtung Digby. Unterwegs hat auch der Regen etwas nachgelassen.

Der erste geplante Stopp war in Berwick. Dort wollten wir eigentlich im Apple Capital Museum and Visitor Information Centre vorbeischauen. Das Museum hatte allerdings andere Pläne als wir und war geschlossen. Also beschränkten wir uns auf das Wesentliche, tankten das Wohnmobil voll und setzten die Fahrt fort.

Nächstes Ziel war Greenwood. Direkt vor der Air Base befindet sich dort das Military Aviation Museum, das etwas überraschend in einer kleinen Shopping Mall untergebracht ist. Auf den ersten Blick wirkt das Museum wie ein Lagerraum voller Erinnerungsstücke. Je länger man sich jedoch darin aufhält, desto mehr erkennt man, wie durchdacht die Ausstellung aufgebaut ist.

Der Rundgang beginnt bei den Anfängen der hier stationierten Einheiten und ihren Einsätzen im Zweiten Weltkrieg, als von Greenwood aus noch Bombereinsätze geflogen wurden. Nach Kriegsende verlagerte sich der Schwerpunkt dann auf die U-Boot-Aufklärung und U-Boot-Bekämpfung im Nordatlantik. Diese Rolle prägt die Basis bis heute, denn auch heute noch operieren von hier aus Flugzeuge zur maritimen Überwachung.

Das Museum ist zwar nicht besonders groß, bietet aber eine Menge interessanter Informationen, Fotos und Ausstellungsstücke. Gerade die Entwicklung der Basis über die Jahrzehnte wird sehr anschaulich dargestellt. Nach dem Rundgang gab es erst einmal eine kurze Mittagspause im Wohnmobil.

Anschließend schauten wir uns noch den Außenbereich an. Dort stehen zahlreiche historische Flugzeuge, die man aus nächster Nähe betrachten kann. Für Luftfahrtinteressierte auf jeden Fall ein lohnender Stopp.

Danach ging es weiter Richtung Middleton. Unterwegs legten wir noch einen Halt bei Spurr Brothers Farms ein. Der Hofladen bietet neben Obst und Gemüse aus eigener Produktion auch Käse, Backwaren und natürlich den hauseigenen Cider an. Da konnten wir natürlich nicht einfach vorbeifahren. Also wurde ein wenig Obst, Gemüse und Käse sowie selbstverständlich einige Dosen unterschiedlicher Cider-Sorten eingekauft und anschließend noch ein sogenannter „Cider Flight“ mit vier verschiedenen Sorten probiert. Wissenschaftliche Feldforschung gehört schließlich auch zum Reisen dazu.

In Middleton angekommen, schauten wir uns noch den ehemaligen Bahnhof an, in dem heute das Middleton Railway Museum untergebracht ist. Schon draußen gab es einiges zu sehen: Zwei Dampflokomotiven, mehrere historische Waggons und eine Spur-G-Gartenbahn, die derzeit gerade neu gestaltet wird.

Lange konnten wir uns allerdings nicht allein umsehen, denn Fred hatte uns schnell entdeckt und kurzerhand in Beschlag genommen. Mit großer Begeisterung erzählte er uns von der Geschichte des Museums und den aktuellen Projekten. Anschließend übergab er uns an Bob, der uns die große H0-Anlage zeigte. Die Anlage stellt verschiedene Szenen und Strecken aus dem Annapolis Valley dar und steckt voller liebevoller Details. Man merkt sofort, wie viel Arbeit und Herzblut darin steckt.

Danach führte Bob uns noch durch das eigentliche Bahnhofsgebäude. Dort sind zahlreiche originale Gegenstände aus der aktiven Zeit der Eisenbahn ausgestellt, die einen guten Eindruck davon vermitteln, welche Bedeutung die Bahn früher für die Region hatte.

Den Abschluss bildete schließlich der rote Caboose, der letzte Wagen vieler Güterzüge. Ein wirklich schöner Besuch, der vor allem durch die Begeisterung und Gastfreundschaft von Fred und Bob in Erinnerung bleiben wird.

Nach dem Besuch im Eisenbahnmuseum ging es dann auf den Highway 101. Zwischendurch wurden wir zwar immer wieder von Regenschauern begleitet, aber je näher wir Digby kamen, desto freundlicher wurde das Wetter. Tatsächlich zeigte sich später sogar noch die Sonne, was wir nach dem eher grauen Start in den Tag kaum noch erwartet hatten.

Am Campingplatz angekommen, gab es gleich die nächste Information: An diesem Wochenende findet in Digby ein Motorrad-Festival statt. Nun ja. Was soll schon passieren? Könnte halt etwas lauter werden…

Nachdem das Wohnmobil auf seinem Platz stand, bekamen wir die Antwort recht schnell geliefert. In regelmäßigen Abständen röhrten Motorräder auf der Straße am Campingplatz vorbei. Allerdings war es längst nicht so schlimm wie zunächst befürchtet, und uns wurde versichert, dass es nachts deutlich ruhiger werden sollte.

Den Abend verbrachten wir dann entspannt auf dem Campingplatz. Wir kochten uns etwas zu essen und genossen das unverhofft gute Wetter. Ein Lagerfeuer wäre dazu eigentlich perfekt gewesen, ist auf diesem stadtnahen Campingplatz allerdings leider nicht erlaubt.


Später am Abend zogen dann wieder Wolken auf und die Luft wurde zunehmend feucht. Ein typischer Abend an der Küste von Nova Scotia also. Trotzdem waren wir nach den vielen interessanten Stopps des Tages sehr zufrieden mit unserem Etappenziel in Digby.