Tag 4: Blomidon – Greenwood – Middleton – Digby

Nachts hatte es schon kräftig geregnet und auch am Morgen zeigte sich das Wetter wenig motiviert, Vom Minas Basin war wegen Regen und Nebel nichts zu sehen. Also hieß es: Wohnmobil startklar machen und bei strömendem Regen den Blomidon Provincial Park verlassen. Statt den direkten Weg zu nehmen, fuhren wir gemütlich über die kleinen Orte im Annapolis Valley in Richtung Digby. Unterwegs hat auch der Regen etwas nachgelassen.

Der erste geplante Stopp war in Berwick. Dort wollten wir eigentlich im Apple Capital Museum and Visitor Information Centre vorbeischauen. Das Museum hatte allerdings andere Pläne als wir und war geschlossen. Also beschränkten wir uns auf das Wesentliche, tankten das Wohnmobil voll und setzten die Fahrt fort.

Nächstes Ziel war Greenwood. Direkt vor der Air Base befindet sich dort das Military Aviation Museum, das etwas überraschend in einer kleinen Shopping Mall untergebracht ist. Auf den ersten Blick wirkt das Museum wie ein Lagerraum voller Erinnerungsstücke. Je länger man sich jedoch darin aufhält, desto mehr erkennt man, wie durchdacht die Ausstellung aufgebaut ist.

Der Rundgang beginnt bei den Anfängen der hier stationierten Einheiten und ihren Einsätzen im Zweiten Weltkrieg, als von Greenwood aus noch Bombereinsätze geflogen wurden. Nach Kriegsende verlagerte sich der Schwerpunkt dann auf die U-Boot-Aufklärung und U-Boot-Bekämpfung im Nordatlantik. Diese Rolle prägt die Basis bis heute, denn auch heute noch operieren von hier aus Flugzeuge zur maritimen Überwachung.

Das Museum ist zwar nicht besonders groß, bietet aber eine Menge interessanter Informationen, Fotos und Ausstellungsstücke. Gerade die Entwicklung der Basis über die Jahrzehnte wird sehr anschaulich dargestellt. Nach dem Rundgang gab es erst einmal eine kurze Mittagspause im Wohnmobil.

Anschließend schauten wir uns noch den Außenbereich an. Dort stehen zahlreiche historische Flugzeuge, die man aus nächster Nähe betrachten kann. Für Luftfahrtinteressierte auf jeden Fall ein lohnender Stopp.

Danach ging es weiter Richtung Middleton. Unterwegs legten wir noch einen Halt bei Spurr Brothers Farms ein. Der Hofladen bietet neben Obst und Gemüse aus eigener Produktion auch Käse, Backwaren und natürlich den hauseigenen Cider an. Da konnten wir natürlich nicht einfach vorbeifahren. Also wurde ein wenig Obst, Gemüse und Käse sowie selbstverständlich einige Dosen unterschiedlicher Cider-Sorten eingekauft und anschließend noch ein sogenannter „Cider Flight“ mit vier verschiedenen Sorten probiert. Wissenschaftliche Feldforschung gehört schließlich auch zum Reisen dazu.

In Middleton angekommen, schauten wir uns noch den ehemaligen Bahnhof an, in dem heute das Middleton Railway Museum untergebracht ist. Schon draußen gab es einiges zu sehen: Zwei Dampflokomotiven, mehrere historische Waggons und eine Spur-G-Gartenbahn, die derzeit gerade neu gestaltet wird.

Lange konnten wir uns allerdings nicht allein umsehen, denn Fred hatte uns schnell entdeckt und kurzerhand in Beschlag genommen. Mit großer Begeisterung erzählte er uns von der Geschichte des Museums und den aktuellen Projekten. Anschließend übergab er uns an Bob, der uns die große H0-Anlage zeigte. Die Anlage stellt verschiedene Szenen und Strecken aus dem Annapolis Valley dar und steckt voller liebevoller Details. Man merkt sofort, wie viel Arbeit und Herzblut darin steckt.

Danach führte Bob uns noch durch das eigentliche Bahnhofsgebäude. Dort sind zahlreiche originale Gegenstände aus der aktiven Zeit der Eisenbahn ausgestellt, die einen guten Eindruck davon vermitteln, welche Bedeutung die Bahn früher für die Region hatte.

Den Abschluss bildete schließlich der rote Caboose, der letzte Wagen vieler Güterzüge. Ein wirklich schöner Besuch, der vor allem durch die Begeisterung und Gastfreundschaft von Fred und Bob in Erinnerung bleiben wird.

Nach dem Besuch im Eisenbahnmuseum ging es dann auf den Highway 101. Zwischendurch wurden wir zwar immer wieder von Regenschauern begleitet, aber je näher wir Digby kamen, desto freundlicher wurde das Wetter. Tatsächlich zeigte sich später sogar noch die Sonne, was wir nach dem eher grauen Start in den Tag kaum noch erwartet hatten.

Am Campingplatz angekommen, gab es gleich die nächste Information: An diesem Wochenende findet in Digby ein Motorrad-Festival statt. Nun ja. Was soll schon passieren? Könnte halt etwas lauter werden…

Nachdem das Wohnmobil auf seinem Platz stand, bekamen wir die Antwort recht schnell geliefert. In regelmäßigen Abständen röhrten Motorräder auf der Straße am Campingplatz vorbei. Allerdings war es längst nicht so schlimm wie zunächst befürchtet, und uns wurde versichert, dass es nachts deutlich ruhiger werden sollte.

Den Abend verbrachten wir dann entspannt auf dem Campingplatz. Wir kochten uns etwas zu essen und genossen das unverhofft gute Wetter. Ein Lagerfeuer wäre dazu eigentlich perfekt gewesen, ist auf diesem stadtnahen Campingplatz allerdings leider nicht erlaubt.


Später am Abend zogen dann wieder Wolken auf und die Luft wurde zunehmend feucht. Ein typischer Abend an der Küste von Nova Scotia also. Trotzdem waren wir nach den vielen interessanten Stopps des Tages sehr zufrieden mit unserem Etappenziel in Digby.