Nova Scotia 2026 - Tag 5

Nach den eher ruhigen Tagen stand heute einmal etwas völlig anderes auf dem Programm. Digby befand sich nämlich fest in der Hand der Motorradfahrer. Die jährliche Wharf Rat Rally lockt jedes Jahr Tausende Biker in die kleine Hafenstadt und da wir schon einmal hier waren, wollten wir uns das Spektakel natürlich nicht entgehen lassen.

Am Morgen machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Dafür nutzten wir den Wander- und Radweg, der auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft und direkt am Campingplatz vorbeiführt. Die Strecke führt größtenteils durch den Wald und bietet eine angenehme Alternative zur Straße. Schon unterwegs begegneten uns immer mehr Motorräder, die in Richtung Digby unterwegs waren. Man musste nicht hinschauen, um zu wissen, dass die Rally bereits in vollem Gange war.

In der Stadt angekommen, wurde schnell klar, dass heute Ausnahmezustand herrschte. Überall standen Motorräder. Auf den Straßen, auf Parkplätzen, vor den Geschäften und entlang des Hafens reihten sich die Maschinen Stoßstange an Stoßstange beziehungsweise Lenker an Lenker. Vom glänzend restaurierten Oldtimer bis zur hochmodernen Touring-Maschine war alles vertreten. Auch wenn Motorräder normalerweise nicht unbedingt zu unseren Lieblingsthemen gehören, gab es hier genug zu sehen, um immer wieder einen Blick zu riskieren.

Wir schlenderten zunächst durch die Straßen und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Immer wieder blieben wir stehen, um besonders interessante Maschinen zu betrachten. Manche waren echte Kunstwerke mit aufwendiger Lackierung und zahllosen Chromteilen, andere wirkten eher wie kreative Eigenbauprojekte. Auf jeden Fall gab es viel zu sehen.

Natürlich durfte auch ein Spaziergang entlang des Hafens nicht fehlen. Die Mischung aus den bunten Fischerbooten, dem geschäftigen Treiben und den Tausenden Besuchern sorgte für eine ganz besondere Stimmung. Es war erstaunlich, wie gut das Motorradfestival und die maritime Kulisse zusammenpassten.

Gegen Mittag meldete sich langsam der Hunger. Wir kehrten in einem der Restaurants an der Waterfront ein und gönnten uns ein spätes Mittagessen. Von unserem Platz aus konnten wir die Band in der benachbarten Bar hören. Die Musik war wirklich gut und bildete einen interessanten Kontrast zu den ununterbrochen vorbeifahrenden Motorrädern.

Nach dem Essen bummelten wir weiter durch die Stadt. In den Geschäften wurde gestöbert und Nele hat auch ein T-Shirt als Souvenir gefunden.

Am Nachmittag zog es uns noch einmal zum Hafen. Dort hatte sich inzwischen eine größere Menschenmenge versammelt. Auf einem der zahlreichen Hummer- und Muschelfischerbooten war am Heck ein großer Metallkäfig angebracht. Darin fanden die Burnouts statt. Dabei wird das Motorrad festgehalten, während das Hinterrad durchdreht und möglichst viel Qualm produziert. Der Geruch von verbranntem Gummi lag in der Luft und die Zuschauer feuerten die Teilnehmer begeistert an. Beeindruckend war das Ganze schon, auch wenn wir nach einiger Zeit wieder genug von Lärm und Rauch hatten.

Langsam machten wir uns anschließend auf den Rückweg zum Campingplatz. Nach dem Trubel in der Stadt wirkte der Weg über die ehemalige Bahntrasse fast schon idyllisch. Die Geräusche der Veranstaltung wurden mit jedem Schritt leiser und wurden schließlich wieder von Vogelgezwitscher und dem Rascheln der Bäume ersetzt.

Zurück am Wohnmobil ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Nach den vielen Eindrücken hatten wir keine Lust mehr auf weitere Unternehmungen. Stattdessen machten wir es uns bequem und schauten noch einen Film. Dazu gab es einen Urlaubsdrink, den wir auf dieser Reise für uns entdeckt haben: Wodka mit Blaubeersaft. Einfach, aber überraschend lecker.

Als es draußen längst dunkel war, hörten wir immer noch das Röhren der Motorräder. Ein ungewöhnlicher Reisetag ging zu Ende. Die Wharf Rat Rally war sicher nicht das, was man bei einer Reise durch Nova Scotia als Erstes erwartet. Gerade deshalb war sie eine interessante Abwechslung und wieder einmal ein Erlebnis, das wir ohne unsere spontane Reiseplanung vermutlich nie entdeckt hätten.