Nova Scotia 2026 - Tag 7

Nach einem entspannten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Der Plan war einfach: einmal den Digby Neck entlang, weiter über Long Island bis nach Brier Island. Drei Inseln, zwei Fähren, viele Eindrücke — und wie immer die Bereitschaft, Pläne spontan anzupassen.

Der erste Abstecher führte uns nach einiger Zeit zum Trout Cove. Eine kleine Straße, die sich zwischen Wiesen und Bäumen hindurchschlängelte, brachte uns zu einem winzigen Hafen. Wir parkten oberhalb davon und machten einen kleinen Rundgang. Einige Hummerfischerboote lagen ruhig im Wasser, aber kein Mensch war zu sehen. Der Ort wirkte, als hätte er beschlossen, kollektiv eine Pause einzulegen. Die Gezeiten hatten ihre Spuren hinterlassen: Algen, Spuren im Sand, Boote, die deutlich tiefer lagen als noch vor ein paar Stunden. Ein stiller, schöner Moment.

Auf dem Weg zurück auf die Hauptstraße legten wir noch einen kurzen Stopp bei zwei verlassenen Kirchen ein, die sich direkt gegenüberstanden. Beide sahen aus, als hätten sie schon viele Winter überstanden, die eine schien bis vor einigen Jahren noch in Betrieb gewesen zu sein, ein Blick durchs Fenster zeigte aber eher einen Abstellraum mit Werkstatt, in dem auch Kirchenmöbel standen. Irritierend fanden wir das seitlich eingebaute Garagentor, das passte irgendwie so gar nicht.

Einige Kilometer weiter bogen wir erneut ab, diesmal Richtung Sandy Cove Beach an der Bay of Fundy. Wieder eine schmale Straße, die bei Gegenverkehr durchaus spannend werden konnte. Aber der Weg lohnte sich: ein wunderschöner, einsamer Strand, an dem sich die wenigen Besucher problemlos verteilten. Wir setzten uns auf eine Bank, genossen die Sonne und den Blick über die Bucht.

Wale ließen sich heute nicht blicken, aber dafür zog in der Ferne ein Frachtschiff vorbei, das perfekt in die Szenerie passte.

Nach einer Weile machten wir uns wieder auf den Weg zurück zur Hauptstraße. Nur noch wenige Kilometer trennten uns von der ersten Fähre, der East Ferry. Die Wartezeit war kurz, und schon bald tuckerten wir über das Wasser nach Long Island.

Kaum von Bord, stand die Feuerwehr am Straßenrand und hatte die Straße abgesperrt. „Fill our boots“ stand auf dem Schild — eine Spendenaktion. Wir warfen fünf Dollar in den Stiefel und kamen kurz mit einem der Feuerwehrleute ins Gespräch. Freundlich, entspannt, typisch Nova Scotia.

Weiter ging es Richtung Balancing Rock, unserem eigentlichen nächsten Ziel. Allerdings war dort kein einziger Parkplatz frei. Also fuhren wir erst einmal weiter und fanden nach ein paar Kilometern einen kleinen Picknick-Park. Perfekt für eine Mittagspause.

Gestärkt machten wir uns schließlich auf den Weg zur zweiten Fähre nach Brier Island. Als wir ankamen, sahen wir gerade noch, wie sie ablegte. Die nächste Abfahrt? Ungewiss. Also strichen wir Brier Island für heute und schauten uns stattdessen noch kurz Freeport an — ein kleiner Ort, der sich einmal mehr als typisch für die Region erwies: ruhig, freundlich, ein bisschen wettergegerbt.

Danach fuhren wir zurück zum Balancing Rock. Der Parkplatz war inzwischen fast leer, also machten wir uns auf die Wanderung. Der erste und längste Teil des Weges führte rund einen Kilometer fast komplett geradeaus, ohne nennenswerte Steigungen. Erst der letzte Abschnitt bestand aus Stufen — 235 Stufen, um genau zu sein. Runter war das alles noch recht entspannt, aber natürlich mussten wir sie später auch wieder hinauf. Egal, da mussten wir durch.

Unten angekommen sahen wir den Balancing Rock schließlich. Er war kleiner, als ich ihn mir vorgestellt hatte, aber trotzdem beeindruckend. Die Aussicht über die St. Mary’s Bay hinüber zum Festland war wunderschön und machte den Abstieg absolut lohnenswert.

Der Aufstieg zurück war weniger schlimm als befürchtet. Die 235 Stufen hatten es zwar in sich, aber oben angekommen waren wir zwar gut außer Atem, dafür war der restliche Weg wieder flach und angenehm. Insgesamt eine schöne Wanderung — und ein Ziel, das man nicht verpassen sollte, wenn man auf Long Island ist.

Wir fuhren anschließend zurück zum Campingplatz. Die Feuerwehr vom Vormittag war inzwischen verschwunden, und die Fähre war bereits auf dem Weg zu unserer Seite. Zurück am Wohnmobil kochte Nele uns etwas Leckeres, und wir planten die nächsten Tage.

Da das Wetter zumindest Dienstag und Mittwoch gut werden sollte, entschieden wir uns für den Kejimkujik Nationalpark. Für Donnerstag war wieder Regen angesagt, aber das ist Zukunftsmusik. Den Platz im Nationalpark reservierten wir direkt.

Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Absacker — und dann ging es früh ins Bett. Ein langer, abwechslungsreicher Tag ging zu Ende.