Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht in Chéticamp begann der Tag zunächst ganz entspannt. Direkt neben dem Campingplatz befindet sich das Besucherzentrum des Cape-Breton-Highlands-Nationalparks, und dort zog es uns als Erstes hin. Die Aussicht auf stabiles WLAN war verlockend, doch noch hilfreicher war die ausgesprochen freundliche Mitarbeiterin der Parkverwaltung. Mit viel Geduld erklärte sie uns die schönsten Aussichtspunkte entlang unserer heutigen Strecke und gab einige wertvolle Tipps für den Tag. Damit war die Route schnell festgelegt.
Anschließend ging es noch einmal zurück in den Ort. Nicht nur wir hatten Durst, auch Harvey verlangte nach Nachschub und bekam eine ordentliche Portion Diesel spendiert. Bevor wir endgültig in Richtung Nationalpark aufbrachen, machten wir noch einen kurzen Halt bei einer kleinen Bäckerei, die uns bereits am Vortag aufgefallen war. Der Duft aus dem Laden ließ keine Diskussion zu. Wenige Minuten später verließen wir ihn mit frischen Croissants und Tea Bisquits, bestens ausgerüstet für die kommenden Kilometer.
Kurz darauf begann der eigentliche Höhepunkt des Tages: die Fahrt durch den Nationalpark entlang der Westküste von Cape Breton Island. Der kräftige Wind hatte durchaus seine Vorteile. Schon am ersten Aussichtspunkt zeigte sich der Golf von Sankt Lorenz von seiner wilden Seite. Die Brandung war beeindruckend. Meterhohe Wellen rollten heran, brachen an der Küste und hinterließen schäumende weiße Gischt. Genau für solche Ausblicke fährt man schließlich auf den Cabot Trail.
Auch die folgenden Aussichtspunkte enttäuschten nicht. Hinter beinahe jeder Kurve öffneten sich neue Blicke auf die zerklüftete Küste, die tiefblauen Wasserflächen und die bewaldeten Hänge der Highlands. Den berühmten Skyline Trail ließen wir allerdings aus. Bei dem starken Wind erschien uns eine Wanderung dort wenig reizvoll, außerdem hätte ein Parkplatz im Voraus reserviert werden müssen. Stattdessen genossen wir die Landschaft ganz entspannt von den zahlreichen Viewpoints entlang der Strecke.
Ein besonders schöner Aussichtspunkt bot sich schließlich für unsere Mittagspause an. Mit Blick auf das Meer wurden die am Morgen erstandenen Croissants und Scones verzehrt. Die Bäckerei hatte ganze Arbeit geleistet. Dazu zeigte sich nun auch immer häufiger die Sonne und ließ die Küstenlandschaft in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Hinter dem nördlichen Teil des Nationalparks wendet sich der Cabot Trail nach Osten und durchquert Cape Breton Island in Richtung Atlantik. Damit änderte sich nicht nur die Fahrtrichtung, sondern auch die Perspektive. Aus dem Golf von Sankt Lorenz wurde der offene Atlantik.
In Neil’s Harbour wollten wir lediglich schnell Wasser und Milch einkaufen. Doch schon auf dem Weg zum kleinen Supermarkt entdeckten wir einen Parkplatz direkt am Meer. Gewaltige Wellen schlugen dort gegen die Felsen. Der Plan war sofort klar: Erst einkaufen, dann zurückkommen.
Der Einkauf war in wenigen Minuten erledigt, und wenig später standen wir wieder an der Küste. Mittlerweile hatten auch andere Reisende den Platz entdeckt. Zum Glück war noch genügend Raum für Harvey vorhanden. Die Brandung war beeindruckend. Immer wieder schossen Fontänen aus Gischt in die Höhe, wenn die Wellen auf die Felsküste trafen. Der Atlantik zeigte eindrucksvoll, warum er zu den großen Ozeanen der Welt gehört.
Nach einer Weile fuhren wir noch zum kleinen Leuchtturm von Neil’s Harbour. Auch dort setzte sich das Schauspiel fort. Wind, Wellen und Gischt lieferten eine Naturvorstellung, die man nicht planen kann. Der Atlantik machte an diesem Tag unmissverständlich klar, wozu er fähig ist. Faszinierend war dabei der Kontrast zum kleinen Hafen von Neil’s Harbour. Während draußen die Brandung tobte, lag das Wasser hinter den schützenden Molen relativ glatt da.
Auf dem Weg zu unserem Campingplatz legten wir noch mehrere Stopps an Aussichtspunkten ein. Einer der schönsten befand sich an Green Cove. Vom Parkplatz führt ein kurzer Weg hinaus auf einen vorgelagerten Felsrücken. Der Wind blies dort zwar immer noch kräftig, doch die Aussicht war jede Böe wert. Während wir über das Meer blickten, entdeckten wir sogar einige Robben, die in der Brandung nach ihrem Abendessen jagten.
Fisch stand später auch bei uns auf dem Speiseplan. Glücklicherweise hatten wir in Digby noch Vorräte gekauft und konnten so den Tag kulinarisch passend ausklingen lassen.
Eigentlich wollten wir anschließend noch lange am Lagerfeuer sitzen. Das Wetter hatte jedoch andere Pläne. Immer wieder zogen kurze Regenschauer durch, unterbrochen von kleinen trockenen Fenstern. Wir nutzten jede Gelegenheit und bekamen tatsächlich noch ein schönes Feuer in Gang. Ganz so lange wie an anderen Abenden hielt es diesmal allerdings nicht. Irgendwann gewann das Wetter doch die Oberhand und trieb uns zurück ins Wohnmobil.
Trotzdem war es ein wunderbarer Tag. Vielleicht sogar gerade wegen des Windes. Denn ohne ihn hätten wir die Küste, die Brandung und den Atlantik nie so eindrucksvoll erlebt. Manche Landschaften wirken eben erst dann richtig beeindruckend, wenn die Natur ein wenig mehr Gas gibt.





















