Nova Scotia 2026 – Tag 20

Am Morgen war vom stürmischen Wetter des Vortages kaum noch etwas übrig. Die Sonne schien, der Himmel zeigte sich freundlich, und das Meer lag ruhig vor der Küste. Es war kaum zu glauben, dass hier nur einen Tag zuvor noch gewaltige Wellen gegen die Felsen gepeitscht waren.

Nach dem Frühstück fuhren wir deshalb noch einmal in den Cape-Breton-Highlands-Nationalpark zurück. Einige der Aussichtspunkte, die uns am Vortag besonders gut gefallen hatten, wollten wir bei besseren Wetterbedingungen noch einmal erleben. Die Landschaft wirkte völlig verändert. Wo gestern Wind und Gischt die Szenerie beherrscht hatten, lag der Ozean nun fast spiegelglatt vor uns. Es war dieselbe Küste, sah aber aus wie eine völlig andere Welt.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Etappenziel. Ein kurzer Halt am Besucherzentrum sollte eigentlich dazu dienen, noch einmal das WLAN zu nutzen. Leider blieb dieser Plan erfolglos. Also wurde kurzerhand der eigene Hotspot aktiviert und nach einem Campingplatz in der Nähe von Sydney gesucht. Die Wahl fiel schließlich auf den KOA Seal Island Campground, der für die kommende Nacht unser Zuhause werden sollte.

Bevor es jedoch dorthin ging, stand noch eine kleine Attraktion auf dem Programm. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich die Atlantic Gondola. Im Winter ein Skigebiet, im Sommer ein Aussichtspunkt mit herrlichem Blick über die Küste von Ingonish.

Die Fahrt mit der Gondel dauerte nur wenige Minuten. Zwar waren lediglich rund 300 Höhenmeter zu überwinden, doch die Aussicht wurde mit jedem Meter besser. Oben angekommen bot sich ein fantastischer Blick über die Bucht von Ingonish Beach. Bei dem sonnigen Wetter präsentierte sich die Küste von ihrer besten Seite.

Nachdem wir die Aussicht ausgiebig genossen hatten, zog es uns zur kleinen Minigolfanlage auf dem Berg. Die acht Bahnen waren zwar nicht überall perfekt eben, aber genau das machte einen Teil ihres Charmes aus. Aus einer geplanten Runde wurden schließlich zwei, und nach spannendem Verlauf endete das Duell mit einem gerechten Unentschieden.

Zur Feier des ausgeglichenen Ergebnisses kehrten wir noch einmal zum Aussichtspunkt zurück. Dort gönnte ich mir einen Cranberry Cider und genoss ein letztes Mal den Blick über die Küste. Inzwischen hatten sich allerdings einige Wolken vor die Sonne geschoben, und der Wind wurde wieder etwas frischer. Zeit also, die Gondel bergab zu nehmen.

Nun machten wir uns auf die Suche nach einem schönen Platz für ein verspätetes Mittagessen. Den hatten wir tatsächlich gefunden, bemerkten ihn allerdings erst im Vorbeifahren. Es handelte sich nicht um einen offiziellen Aussichtspunkt, sondern lediglich um einen kleinen Schotterplatz direkt an der Straße. Gerade deshalb war er vielleicht so besonders. Vor uns lagen der Atlantik, die zerklüftete Küste und jede Menge Ruhe. Ein perfekter Ort für eine Pause.

Gestärkt setzten wir unsere Fahrt fort. Für die weitere Strecke hatten wir eigentlich die kleine Fähre bei Englishtown eingeplant. Als wir jedoch auf die Fähre fahren wollten, trat der Fährmann an Harvey heran, betrachtete unser Wohnmobil aufmerksam und hatte eine klare Empfehlung.

Die Auffahrten auf die Fähre seien recht steil, erklärte er, und es bestehe die Gefahr, dass wir mit dem Wohnmobil aufsetzen könnten. Er riet uns daher, lieber den längeren Weg um die Bucht herum zu nehmen.

Manchmal ist es sinnvoll, auf die Erfahrung der Einheimischen zu vertrauen. Also drehten wir um, kehrten auf den Cabot Trail zurück und umrundeten die Bucht auf der Straße. Die Umleitung kostete zwar etwas Zeit, ersparte uns aber möglicherweise einen unerfreulichen Zwischenfall.

Wenig später erreichten wir wieder den Trans Canada Highway, dem wir bis in die Nähe unseres Campingplatzes folgten. Dort wurden wir freundlich empfangen. Zusätzlich zu unserem Stellplatz kauften wir noch ein Bündel Feuerholz, das später zusammen mit einer Feuerschale geliefert werden sollte.

Außerdem fiel uns sofort die kleine Minigolfanlage des Campingplatzes ins Auge. Die notwendige Ausrüstung war schnell ausgeliehen, und kurz nachdem Harvey auf seinem Stellplatz stand und an Strom und Wasser angeschlossen war, begann bereits die nächste Partie.

Diesmal verlief das Duell allerdings deutlich weniger ausgeglichen als am Vormittag. Während auf dem Berg noch Gleichstand geherrscht hatte, musste ich mich auf den neun Bahnen des Campingplatzes klar geschlagen geben. Offenbar hatte Nele im Laufe des Tages ihre Minigolftechnik perfektioniert.

Am Abend kehrten wir schließlich zu unserem Stellplatz zurück und entzündeten das Lagerfeuer. Anders als am Vortag spielte das Wetter diesmal mit. So konnten wir bis weit in die Nacht hinein am Feuer sitzen, die Wärme genießen und auf die vergangenen Wochen zurückblicken.

Erst gegen Mitternacht löschten wir die letzten Glutreste und zogen uns ins Wohnmobil zurück.

Wieder lag ein schöner Reisetag hinter uns. Gleichzeitig machte sich langsam das Gefühl bemerkbar, dass das Ende unserer Nova-Scotia-Rundreise näher rückte. Noch waren einige Tage übrig, aber plötzlich begann man, jeden einzelnen davon besonders bewusst zu genießen. Denn die schönsten Reisen haben leider die unangenehme Eigenschaft, viel schneller zu vergehen, als man es gerne hätte.