Nova Scotia 2026 - Tag 10

Der Morgen begann grau. Während leichter Regen auf das Wohnmobil prasselte, machten wir uns bereit für die Weiterfahrt. Bevor wir den Kejimkujik Nationalpark endgültig verließen, hielten wir noch kurz am Eingang, um die charakteristischen roten Parks‑Canada‑Stühle zu fotografieren. Ein kleines Ritual, das irgendwie dazugehört.

Dann ging es wieder Richtung Annapolis Royal, um auf die 101 zu kommen. Wir fuhren noch einmal an Digby vorbei und erinnerten uns an das überraschend schöne Wochenende dort — das Biker‑Treffen, der Digby Neck, die Fähren, die kleinen Orte. Inzwischen hatte der Regen fast vollständig aufgehört.

Kurz darauf entdeckten wir einen Hinweis auf den Leuchtturm von Gilbert’s Cove. Spontan bogen wir ab. Der kleine Leuchtturm liegt direkt am Wasser, mit einer charmanten Ausstellung über das Leben der Leuchtturmwärter. Im Andenkenshop fand Nele eine Schürze, die natürlich mit musste. Ein ungeplanter Stopp, der sich sofort richtig anfühlte — und einer der Höhepunkte des Tages.

Zurück auf der Hauptstraße fuhren wir weiter zu den Kirchen der Akadier, die entlang der Route liegen. Die erste war die Église Saint‑Bernard, eine der großen katholischen Kirchen der akadischen Gemeinden. Anders als viele andere Kirchen, die aus Holz gebaut sind, besteht Saint‑Bernard aus Granit. Die Steine wurden damals mit Ochsenkarren von der Eisenbahn zur Baustelle gebracht — eine Vorstellung, die den Bau plötzlich sehr greifbar macht. Leider war die Kirche wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber ein paar Außenfotos waren möglich.

Weiter ging es zur Église Sainte‑Marie, der Hauptkirche der Akadier in dieser Region. Auch sie ist derzeit nicht zugänglich und soll renoviert werden. Nach einem Blick auf die Fassade ist klar: Das ist dringend nötig. Trotzdem ist der Bau beeindruckend und vermittelt gut, welche Bedeutung diese Kirche einmal hatte.

Ganz in der Nähe liegt der kleine Leuchtturm Le Phare de la Pointe, den wir für unsere Mittagspause ansteuerten. Ein ruhiger Ort, mit Blick auf das Wasser. Nach dem Essen machten wir noch einen kurzen Spaziergang zum Strand, bevor wir weiterfuhren.

Die nächste Kirche war die Église Sacré‑Coeur, die im Gegensatz zu den vorherigen geöffnet war. Innen besticht sie durch zahlreiche farbige Fenster, die den Raum in ein warmes Licht tauchen. Ein schöner Kontrast zu den geschlossenen Kirchen zuvor.

Auf der Weiterfahrt entdeckten wir eine kleine Werft und hielten spontan an. Von der anderen Flussseite konnten wir gut sehen, wie mehrere Fischerboote zur Reparatur dort lagen. Ein kurzer, aber interessanter Blick in den Alltag der Region.

Zum Abschluss der „Kirchenrunde“ fuhren wir zur Église Saint‑Alphonse, einer typischen akadischen Holzkirche. Besonders sehenswert ist der Altarbereich, der trotz seiner Schlichtheit viel Atmosphäre hat. Danach war unsere kleine Tour durch die Kirchen der Akadier für heute beendet — und inzwischen war auch die Sonne herausgekommen.

Wir fuhren weiter zum Campingplatz in der Umgebung von Yarmouth, checkten ein und machten uns anschließend noch einmal auf den Weg, um einige Vorräte zu ergänzen. Zurück am Platz gab es Abendessen und später ein Lagerfeuer. Wir saßen lange draußen, schauten in die Sterne und ließen den Tag ruhig ausklingen.

Nova Scotia 2026 - Tag 9

Nach einem entspannten Frühstück machten wir uns erneut auf den Weg in den Kejimkujik Nationalpark. Unser erstes Ziel war der Parkplatz bei Mill Falls, von dem aus mehrere kurze Wanderungen starten. Zunächst schauten wir uns die kleinen Wasserfälle an, die sich dort über Felsen und Wurzeln ihren Weg bahnen. Kein spektakulärer Wasserfall, aber ein schöner, ruhiger Ort, an dem man gut ankommen kann.

Anschließend überquerten wir eine Brücke über den Mersey River und liefen eine kleine Schleife des Ukme’k Trail. Insgesamt waren es etwa drei Kilometer, die sich angenehm durch den Wald zogen. Unterwegs begegneten uns zahlreiche kleine Hörnchen, die geschäftig über den Boden huschten oder sich lautstark über unsere Anwesenheit beschwerten. Größere Tiere ließen sich dagegen nicht blicken.

Dafür gab es Pilze in allen Farben und Formen. Manche leuchteten regelrecht aus dem Unterholz, andere wirkten wie kleine Skulpturen. Immer wieder boten sich schöne Blicke auf den Fluss und in den dichten Wald, der hier stellenweise fast wie ein Urwald wirkt.

Zurück an der Brücke entschieden wir spontan, noch einmal beim Visitor Centre vorbeizuschauen, das nicht weit entfernt lag. Danach ging es zurück zum Wohnmobil. Insgesamt kamen wir auf gute vier Kilometer — eine angenehme Vormittagsrunde.

Für das Mittagspicknick hatten wir uns den Merrymakedge Beach ausgesucht, und das erwies sich als hervorragende Wahl. Der Strand war fast menschenleer, und wir fanden einen Tisch direkt am Wasser mit Blick auf den großen See. Dort breiteten wir unsere Sachen aus und genossen die Ruhe. Nur ein paar vereinzelte Stimmen und das leise Plätschern am Ufer waren zu hören.

Nach dem Essen machten wir uns langsam wieder auf den Weg Richtung Campground, wollten aber vorher noch den Rogers Brook Trail gehen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Aussichtsturm vorbei. Die obere Plattform hätte eigentlich einen schönen Blick über den See bieten sollen, aber die Bäume waren inzwischen so stark gewachsen, dass der See nur noch zu erahnen war.

Der Rogers Brook Trail gilt als guter Ort, um Schildkröten, Biber, Vögel und Frösche zu beobachten. Heute allerdings: Fehlanzeige. Kein Tier weit und breit. Dafür führte der Weg durch einen verwunschenen Märchenwald, der den fehlenden Wildlife-Faktor problemlos wettmachte. Moosbewachsene Stämme, schmale Holzstege, kleine Lichtungen — ein Weg, der weniger wegen seiner Tiere, sondern wegen seiner Atmosphäre in Erinnerung bleibt. Für uns war es der Höhepunkt des Tages.

Nach ungefähr einem Kilometer standen wir wieder am Wohnmobil. Auf dem Rückweg zum Campground nahmen wir noch zwei Bündel Holz mit — das Wetter war gut, und wir wollten den Abend draußen verbringen. Am Platz entfachten wir das Feuer relativ früh und verbrachten einen langen, gemütlichen Abend davor. Die Flammen knisterten, der Rauch stieg ruhig in den Himmel, und der Tag klang so aus, wie ein Tag im Keji ausklingen sollte: warm, ruhig und draußen.

Nova Scotia 2026 - Tag 8

Der Morgen begann noch in Digby, wo wir zunächst ein paar praktische Dinge erledigten. Unsere Vorräte wurden ergänzt, Getränke und Wasser aufgefüllt und Harvey bekam eine frische Tankfüllung. Außerdem kauften wir bei Carla’s Takeout, einem Fischladen für Einheimische, noch tiefgekühlten Fisch und Scallops. Gut versorgt machten wir uns anschließend auf den Weg.

Unser erster Stopp war Bear River, ein kleiner Ort, der sich selbst gern als Künstlerdorf bezeichnet. Wir parkten Harvey direkt an der Brücke über den Bear River und erkundeten den Ort zu Fuß. Besonders auffällig sind die vielen Häuser, die auf Stelzen gebaut sind. Der Tidenhub der Bay of Fundy beträgt hier immer noch bis zu sieben Meter, und die Gebäude müssen sich entsprechend anpassen. Der Ort wirkte ruhig, freundlich und ein wenig zeitlos. Ein schöner Spaziergang und definitiv einer der Höhepunkte des Tages.

Danach ging es weiter über kleine Dörfer und Nebenstraßen in Richtung Kejimkujik National Park. Die Reservierung für den Campingplatz hatten wir bereits am Vorabend vorgenommen, also konnten wir entspannt anreisen. Am Parkeingang begrüßte uns ein ausgesprochen gut gelaunter Ranger, der sofort für gute Stimmung sorgte.

Im Visitor Centre schauten wir uns die Ausstellung über Geschichte, Fauna und Flora des Parks an. Außerdem gab es einen kleinen Shop, aus dem wir nicht ganz ohne Andenken herauskamen: je ein T‑Shirt für Nele und mich sowie eine Jacke für mich. Wenn man schon einmal da ist.

Auf dem Weg zum Campingplatz lagen mehrere Aussichtspunkte, die wir natürlich mitnahmen. Von dort hatten wir sehr schöne Blicke auf den Mersey River, der sich ruhig durch den Park schlängelt. Ein erster Eindruck von der Atmosphäre des Keji: viel Wald, viel Wasser, viel Ruhe.

Am Campground angekommen, checkten wir ein und nahmen zwei Bündel Feuerholz mit. Auf unserem Platz stellten wir Harvey ab, richteten die Stühle an der Feuerstelle aus und holten den Gasgrill aus dem Kofferraum. Am Abend sollte es Steaks und Maiskolben geben — die Maiskolben hatten wir noch von Spurr Brothers dabei.

Das Feuer ließ sich gut entzünden und brannte schön. Nele bereitete einen Salat zu, während ich den Grill startklar machte. Erst kamen die Maiskolben auf den Rost, dann die Steaks. Gegessen haben wir draußen, mit Blick auf das Feuer und die langsam einsetzende Abenddämmerung. Später saßen wir noch lange am Feuer und konnten viele Sterne sehen. Ein perfekter Abschluss des Tages und der zweite Höhepunkt.

Ein ruhiger, schöner Tag, der sich langsam aufgebaut hat: erst ein Künstlerdorf, dann Wald und Wasser, und am Ende ein Campfire unter einem klaren Himmel.

Nova Scotia 2026 - Tag 7

Nach einem entspannten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Der Plan war einfach: einmal den Digby Neck entlang, weiter über Long Island bis nach Brier Island. Drei Inseln, zwei Fähren, viele Eindrücke — und wie immer die Bereitschaft, Pläne spontan anzupassen.

Der erste Abstecher führte uns nach einiger Zeit zum Trout Cove. Eine kleine Straße, die sich zwischen Wiesen und Bäumen hindurchschlängelte, brachte uns zu einem winzigen Hafen. Wir parkten oberhalb davon und machten einen kleinen Rundgang. Einige Hummerfischerboote lagen ruhig im Wasser, aber kein Mensch war zu sehen. Der Ort wirkte, als hätte er beschlossen, kollektiv eine Pause einzulegen. Die Gezeiten hatten ihre Spuren hinterlassen: Algen, Spuren im Sand, Boote, die deutlich tiefer lagen als noch vor ein paar Stunden. Ein stiller, schöner Moment.

Auf dem Weg zurück auf die Hauptstraße legten wir noch einen kurzen Stopp bei zwei verlassenen Kirchen ein, die sich direkt gegenüberstanden. Beide sahen aus, als hätten sie schon viele Winter überstanden, die eine schien bis vor einigen Jahren noch in Betrieb gewesen zu sein, ein Blick durchs Fenster zeigte aber eher einen Abstellraum mit Werkstatt, in dem auch Kirchenmöbel standen. Irritierend fanden wir das seitlich eingebaute Garagentor, das passte irgendwie so gar nicht.

Einige Kilometer weiter bogen wir erneut ab, diesmal Richtung Sandy Cove Beach an der Bay of Fundy. Wieder eine schmale Straße, die bei Gegenverkehr durchaus spannend werden konnte. Aber der Weg lohnte sich: ein wunderschöner, einsamer Strand, an dem sich die wenigen Besucher problemlos verteilten. Wir setzten uns auf eine Bank, genossen die Sonne und den Blick über die Bucht.

Wale ließen sich heute nicht blicken, aber dafür zog in der Ferne ein Frachtschiff vorbei, das perfekt in die Szenerie passte.

Nach einer Weile machten wir uns wieder auf den Weg zurück zur Hauptstraße. Nur noch wenige Kilometer trennten uns von der ersten Fähre, der East Ferry. Die Wartezeit war kurz, und schon bald tuckerten wir über das Wasser nach Long Island.

Kaum von Bord, stand die Feuerwehr am Straßenrand und hatte die Straße abgesperrt. „Fill our boots“ stand auf dem Schild — eine Spendenaktion. Wir warfen fünf Dollar in den Stiefel und kamen kurz mit einem der Feuerwehrleute ins Gespräch. Freundlich, entspannt, typisch Nova Scotia.

Weiter ging es Richtung Balancing Rock, unserem eigentlichen nächsten Ziel. Allerdings war dort kein einziger Parkplatz frei. Also fuhren wir erst einmal weiter und fanden nach ein paar Kilometern einen kleinen Picknick-Park. Perfekt für eine Mittagspause.

Gestärkt machten wir uns schließlich auf den Weg zur zweiten Fähre nach Brier Island. Als wir ankamen, sahen wir gerade noch, wie sie ablegte. Die nächste Abfahrt? Ungewiss. Also strichen wir Brier Island für heute und schauten uns stattdessen noch kurz Freeport an — ein kleiner Ort, der sich einmal mehr als typisch für die Region erwies: ruhig, freundlich, ein bisschen wettergegerbt.

Danach fuhren wir zurück zum Balancing Rock. Der Parkplatz war inzwischen fast leer, also machten wir uns auf die Wanderung. Der erste und längste Teil des Weges führte rund einen Kilometer fast komplett geradeaus, ohne nennenswerte Steigungen. Erst der letzte Abschnitt bestand aus Stufen — 235 Stufen, um genau zu sein. Runter war das alles noch recht entspannt, aber natürlich mussten wir sie später auch wieder hinauf. Egal, da mussten wir durch.

Unten angekommen sahen wir den Balancing Rock schließlich. Er war kleiner, als ich ihn mir vorgestellt hatte, aber trotzdem beeindruckend. Die Aussicht über die St. Mary’s Bay hinüber zum Festland war wunderschön und machte den Abstieg absolut lohnenswert.

Der Aufstieg zurück war weniger schlimm als befürchtet. Die 235 Stufen hatten es zwar in sich, aber oben angekommen waren wir zwar gut außer Atem, dafür war der restliche Weg wieder flach und angenehm. Insgesamt eine schöne Wanderung — und ein Ziel, das man nicht verpassen sollte, wenn man auf Long Island ist.

Wir fuhren anschließend zurück zum Campingplatz. Die Feuerwehr vom Vormittag war inzwischen verschwunden, und die Fähre war bereits auf dem Weg zu unserer Seite. Zurück am Wohnmobil kochte Nele uns etwas Leckeres, und wir planten die nächsten Tage.

Da das Wetter zumindest Dienstag und Mittwoch gut werden sollte, entschieden wir uns für den Kejimkujik Nationalpark. Für Donnerstag war wieder Regen angesagt, aber das ist Zukunftsmusik. Den Platz im Nationalpark reservierten wir direkt.

Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Absacker — und dann ging es früh ins Bett. Ein langer, abwechslungsreicher Tag ging zu Ende.

Nova Scotia 2026 - Tag 6

Der Morgen begann mit einem vertrauten Geräusch: Regen. Die Wettervorhersage versprach Besserung – allerdings erst morgen. Also beschlossen wir, den Tag entspannt anzugehen und einfach das Beste aus dem nassen Grau zu machen. Da wir ohnehin noch einiges ansehen wollten, verlängerten wir kurzerhand unseren Aufenthalt auf dem Campingplatz, was problemlos ging.

Eigentlich hatten wir für den nächsten Tag eine Walbeobachtungstour ins Auge gefasst. Die Betonung liegt auf eigentlich. Die meisten Anbieter hatten ihre Touren für die kommenden Tage abgesagt – es war halt Wetter…

Unser heutiges Programm sollte uns nach Annapolis Royal führen. Weitere mögliche Ziele wie Bear River oder die Lazy Bear Brewery hatten wir ebenfalls im Hinterkopf. Spoiler: Es blieb beim Hinterkopf.

In Annapolis Royal angekommen, zeigte der Regen, dass er noch lange nicht genug hatte. Also entschieden wir uns für das Naheliegende: das Museum im Fort Anne. Immerhin war der Eintritt dank des „Canada Strong Pass“ weiterhin kostenlos – ein kleiner Lichtblick im ansonsten sehr grauen Tagesverlauf.

Das Museum selbst war überraschend interessant. Besonders die ausführlichen Informationen über die Mi’kmaq, ihre Kultur und ihre Beziehungen zu den europäischen Siedlern waren sehr gut aufbereitet. Trotz des Wetters war es ein lohnender Stopp, und wir verbrachten deutlich mehr Zeit dort, als wir ursprünglich geplant hatten.

Als wir wieder draußen standen, regnete es immer noch. Natürlich. Also füllten wir kurz unsere Vorräte auf – man weiß ja nie, wann man wieder irgendwo feststeckt. Danach ließ der Regen tatsächlich etwas nach, und wir nutzten die Gelegenheit, um uns zumindest kurz den Außenbereich der Festung anzusehen. Es war zwar nass, aber die Anlage selbst war beeindruckend und bot einen guten Eindruck von der historischen Bedeutung des Ortes.

Kurz darauf wurde der Regen wieder stärker, als hätte er gemerkt, dass wir uns zu sehr entspannten. Bear River strichen wir daher endgültig von der Liste, und die Lazy Bear Brewery hatte am Montag ohnehin geschlossen. Also steuerten wir den Campingplatz an und machten es uns dort gemütlich. Aber zumindest bei der Durchfahrt haben wir noch etwas von Annapolis Royal gesehen…

Zum Abendessen gab es etwas Selbstgekochtes im Wohnmobil, und später ließen wir den Tag mit einem Film ausklingen. Draußen prasselte der Regen weiter gegen die Fenster, aber drinnen war es warm, trocken und gemütlich. Erst am späten Abend hörte der Regen auf und es waren sogar einige Sterne zu sehen.

Ein ruhiger, nasser, aber dennoch schöner Tag – und morgen sollte es ja besser werden. Hoffentlich.

Nova Scotia 2026 - Tag 5

Nach den eher ruhigen Tagen stand heute einmal etwas völlig anderes auf dem Programm. Digby befand sich nämlich fest in der Hand der Motorradfahrer. Die jährliche Wharf Rat Rally lockt jedes Jahr Tausende Biker in die kleine Hafenstadt und da wir schon einmal hier waren, wollten wir uns das Spektakel natürlich nicht entgehen lassen.

Am Morgen machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Dafür nutzten wir den Wander- und Radweg, der auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft und direkt am Campingplatz vorbeiführt. Die Strecke führt größtenteils durch den Wald und bietet eine angenehme Alternative zur Straße. Schon unterwegs begegneten uns immer mehr Motorräder, die in Richtung Digby unterwegs waren. Man musste nicht hinschauen, um zu wissen, dass die Rally bereits in vollem Gange war.

In der Stadt angekommen, wurde schnell klar, dass heute Ausnahmezustand herrschte. Überall standen Motorräder. Auf den Straßen, auf Parkplätzen, vor den Geschäften und entlang des Hafens reihten sich die Maschinen Stoßstange an Stoßstange beziehungsweise Lenker an Lenker. Vom glänzend restaurierten Oldtimer bis zur hochmodernen Touring-Maschine war alles vertreten. Auch wenn Motorräder normalerweise nicht unbedingt zu unseren Lieblingsthemen gehören, gab es hier genug zu sehen, um immer wieder einen Blick zu riskieren.

Wir schlenderten zunächst durch die Straßen und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Immer wieder blieben wir stehen, um besonders interessante Maschinen zu betrachten. Manche waren echte Kunstwerke mit aufwendiger Lackierung und zahllosen Chromteilen, andere wirkten eher wie kreative Eigenbauprojekte. Auf jeden Fall gab es viel zu sehen.

Natürlich durfte auch ein Spaziergang entlang des Hafens nicht fehlen. Die Mischung aus den bunten Fischerbooten, dem geschäftigen Treiben und den Tausenden Besuchern sorgte für eine ganz besondere Stimmung. Es war erstaunlich, wie gut das Motorradfestival und die maritime Kulisse zusammenpassten.

Gegen Mittag meldete sich langsam der Hunger. Wir kehrten in einem der Restaurants an der Waterfront ein und gönnten uns ein spätes Mittagessen. Von unserem Platz aus konnten wir die Band in der benachbarten Bar hören. Die Musik war wirklich gut und bildete einen interessanten Kontrast zu den ununterbrochen vorbeifahrenden Motorrädern.

Nach dem Essen bummelten wir weiter durch die Stadt. In den Geschäften wurde gestöbert und Nele hat auch ein T-Shirt als Souvenir gefunden.

Am Nachmittag zog es uns noch einmal zum Hafen. Dort hatte sich inzwischen eine größere Menschenmenge versammelt. Auf einem der zahlreichen Hummer- und Muschelfischerbooten war am Heck ein großer Metallkäfig angebracht. Darin fanden die Burnouts statt. Dabei wird das Motorrad festgehalten, während das Hinterrad durchdreht und möglichst viel Qualm produziert. Der Geruch von verbranntem Gummi lag in der Luft und die Zuschauer feuerten die Teilnehmer begeistert an. Beeindruckend war das Ganze schon, auch wenn wir nach einiger Zeit wieder genug von Lärm und Rauch hatten.

Langsam machten wir uns anschließend auf den Rückweg zum Campingplatz. Nach dem Trubel in der Stadt wirkte der Weg über die ehemalige Bahntrasse fast schon idyllisch. Die Geräusche der Veranstaltung wurden mit jedem Schritt leiser und wurden schließlich wieder von Vogelgezwitscher und dem Rascheln der Bäume ersetzt.

Zurück am Wohnmobil ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Nach den vielen Eindrücken hatten wir keine Lust mehr auf weitere Unternehmungen. Stattdessen machten wir es uns bequem und schauten noch einen Film. Dazu gab es einen Urlaubsdrink, den wir auf dieser Reise für uns entdeckt haben: Wodka mit Blaubeersaft. Einfach, aber überraschend lecker.

Als es draußen längst dunkel war, hörten wir immer noch das Röhren der Motorräder. Ein ungewöhnlicher Reisetag ging zu Ende. Die Wharf Rat Rally war sicher nicht das, was man bei einer Reise durch Nova Scotia als Erstes erwartet. Gerade deshalb war sie eine interessante Abwechslung und wieder einmal ein Erlebnis, das wir ohne unsere spontane Reiseplanung vermutlich nie entdeckt hätten.

Tag 4: Flugzeuge, Cider und Eisenbahnen im Annapolis Valley

Nachts hatte es schon kräftig geregnet und auch am Morgen zeigte sich das Wetter wenig motiviert, Vom Minas Basin war wegen Regen und Nebel nichts zu sehen. Also hieß es: Wohnmobil startklar machen und bei strömendem Regen den Blomidon Provincial Park verlassen. Statt den direkten Weg zu nehmen, fuhren wir gemütlich über die kleinen Orte im Annapolis Valley in Richtung Digby. Unterwegs hat auch der Regen etwas nachgelassen.

Der erste geplante Stopp war in Berwick. Dort wollten wir eigentlich im Apple Capital Museum and Visitor Information Centre vorbeischauen. Das Museum hatte allerdings andere Pläne als wir und war geschlossen. Also beschränkten wir uns auf das Wesentliche, tankten das Wohnmobil voll und setzten die Fahrt fort.

Nächstes Ziel war Greenwood. Direkt vor der Air Base befindet sich dort das Military Aviation Museum, das etwas überraschend in einer kleinen Shopping Mall untergebracht ist. Auf den ersten Blick wirkt das Museum wie ein Lagerraum voller Erinnerungsstücke. Je länger man sich jedoch darin aufhält, desto mehr erkennt man, wie durchdacht die Ausstellung aufgebaut ist.

Der Rundgang beginnt bei den Anfängen der hier stationierten Einheiten und ihren Einsätzen im Zweiten Weltkrieg, als von Greenwood aus noch Bombereinsätze geflogen wurden. Nach Kriegsende verlagerte sich der Schwerpunkt dann auf die U-Boot-Aufklärung und U-Boot-Bekämpfung im Nordatlantik. Diese Rolle prägt die Basis bis heute, denn auch heute noch operieren von hier aus Flugzeuge zur maritimen Überwachung.

Das Museum ist zwar nicht besonders groß, bietet aber eine Menge interessanter Informationen, Fotos und Ausstellungsstücke. Gerade die Entwicklung der Basis über die Jahrzehnte wird sehr anschaulich dargestellt. Nach dem Rundgang gab es erst einmal eine kurze Mittagspause im Wohnmobil.

Anschließend schauten wir uns noch den Außenbereich an. Dort stehen zahlreiche historische Flugzeuge, die man aus nächster Nähe betrachten kann. Für Luftfahrtinteressierte auf jeden Fall ein lohnender Stopp.

Danach ging es weiter Richtung Middleton. Unterwegs legten wir noch einen Halt bei Spurr Brothers Farms ein. Der Hofladen bietet neben Obst und Gemüse aus eigener Produktion auch Käse, Backwaren und natürlich den hauseigenen Cider an. Da konnten wir natürlich nicht einfach vorbeifahren. Also wurde ein wenig Obst, Gemüse und Käse sowie selbstverständlich einige Dosen unterschiedlicher Cider-Sorten eingekauft und anschließend noch ein sogenannter „Cider Flight“ mit vier verschiedenen Sorten probiert. Wissenschaftliche Feldforschung gehört schließlich auch zum Reisen dazu.

In Middleton angekommen, schauten wir uns noch den ehemaligen Bahnhof an, in dem heute das Middleton Railway Museum untergebracht ist. Schon draußen gab es einiges zu sehen: Zwei Dampflokomotiven, mehrere historische Waggons und eine Spur-G-Gartenbahn, die derzeit gerade neu gestaltet wird.

Lange konnten wir uns allerdings nicht allein umsehen, denn Fred hatte uns schnell entdeckt und kurzerhand in Beschlag genommen. Mit großer Begeisterung erzählte er uns von der Geschichte des Museums und den aktuellen Projekten. Anschließend übergab er uns an Bob, der uns die große H0-Anlage zeigte. Die Anlage stellt verschiedene Szenen und Strecken aus dem Annapolis Valley dar und steckt voller liebevoller Details. Man merkt sofort, wie viel Arbeit und Herzblut darin steckt.

Danach führte Bob uns noch durch das eigentliche Bahnhofsgebäude. Dort sind zahlreiche originale Gegenstände aus der aktiven Zeit der Eisenbahn ausgestellt, die einen guten Eindruck davon vermitteln, welche Bedeutung die Bahn früher für die Region hatte.

Den Abschluss bildete schließlich der rote Caboose, der letzte Wagen vieler Güterzüge. Ein wirklich schöner Besuch, der vor allem durch die Begeisterung und Gastfreundschaft von Fred und Bob in Erinnerung bleiben wird.

Nach dem Besuch im Eisenbahnmuseum ging es dann auf den Highway 101. Zwischendurch wurden wir zwar immer wieder von Regenschauern begleitet, aber je näher wir Digby kamen, desto freundlicher wurde das Wetter. Tatsächlich zeigte sich später sogar noch die Sonne, was wir nach dem eher grauen Start in den Tag kaum noch erwartet hatten.

Am Campingplatz angekommen, gab es gleich die nächste Information: An diesem Wochenende findet in Digby ein Motorrad-Festival statt. Nun ja. Was soll schon passieren? Könnte halt etwas lauter werden…

Nachdem das Wohnmobil auf seinem Platz stand, bekamen wir die Antwort recht schnell geliefert. In regelmäßigen Abständen röhrten Motorräder auf der Straße am Campingplatz vorbei. Allerdings war es längst nicht so schlimm wie zunächst befürchtet, und uns wurde versichert, dass es nachts deutlich ruhiger werden sollte.

Den Abend verbrachten wir dann entspannt auf dem Campingplatz. Wir kochten uns etwas zu essen und genossen das unverhofft gute Wetter. Ein Lagerfeuer wäre dazu eigentlich perfekt gewesen, ist auf diesem stadtnahen Campingplatz allerdings leider nicht erlaubt.


Später am Abend zogen dann wieder Wolken auf und die Luft wurde zunehmend feucht. Ein typischer Abend an der Küste von Nova Scotia also. Trotzdem waren wir nach den vielen interessanten Stopps des Tages sehr zufrieden mit unserem Etappenziel in Digby.

Tag 3: Im Land der Akadier

Heute sollte nun der erste „richtige“ Reisetag unserer Tour werden. Anders als auf vielen unserer bisherigen Reisen haben wir diesmal bewusst auf eine detaillierte Routenplanung verzichtet. Statt Wochen im Voraus festzulegen, wo wir an welchem Tag sein wollen, lassen wir uns von Wetter, Gezeiten und spontanen Ideen treiben. Passend dazu trägt die Reise schließlich den Titel „Im Takt der Gezeiten“.

Ganz ohne Planung geht es natürlich trotzdem nicht. Bereits am Vorabend hatten wir uns die Wettervorhersagen für Nova Scotia angesehen. Während für einige Regionen kräftiger Regen und teilweise sogar Unwetter angekündigt waren, sah es rund um die Bay of Fundy deutlich freundlicher aus. Deshalb reservierten wir einen Stellplatz im Blomidon Provincial Park und legten damit die grobe Richtung für die nächsten Tage fest.

Nach einem kurzen Einkauf für ein paar Kleinigkeiten, die beim Großeinkauf am Vortag noch gefehlt hatten, machten wir uns schließlich auf den Weg ins Annapolis Valley. Das erste Ziel des Tages war die Grand-Pré National Historic Site. Mit der Geschichte der Akadier und ihrer Deportation hatte ich mich bereits vor der Reise etwas beschäftigt. Grand-Pré gilt als einer der wichtigsten Orte dieser Geschichte, daher wollten wir dort mehr darüber erfahren.

Am Eingang wartete die nächste angenehme Überraschung: kein Eintritt. Wir waren zunächst etwas verwundert, erfuhren aber, dass Parks Canada im Sommer 2026 im Rahmen des „Canada Strong Pass“ freien Eintritt in seine Nationalparks und historischen Stätten gewährt.

Da für den weiteren Tagesverlauf immer wieder Regen angekündigt war, entschieden wir uns zunächst (solange es noch trocken war) für den Rundgang durch die Außenanlagen. Die gepflegten Gärten, die Gedenkkirche und die Statue der Evangeline bilden das Herzstück der Anlage. Alles ist sehr schön gestaltet und lädt dazu ein, sich etwas Zeit zu nehmen.

In der Kirche wird auf Gemälden an das Leben und die Deportation der Acadier erinnert.

In den schön angelegten Gärten findet sich unter Anderem auch eine alte Schmiede.

Wieder zurück im Besucherzentrum schauten wir uns anschließend den Film zur Geschichte der Akadier an. Obwohl wir die grundlegenden Ereignisse bereits kannten, hat der Film die Geschichte noch einmal sehr eindrucksvoll vermittelt. Die Deportation der Akadier Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein Kapitel der kanadischen bzw. englisch-französischen Geschichte, das man vielleicht kennt, dessen Tragweite einem aber erst vor Ort wirklich bewusst wird.

Besonders interessant fanden wir die Erklärungen zu den von den Akadiern angelegten Deichen. Auf der Weiterfahrt durch das Annapolis Valley wussten wir plötzlich, worauf wir achten mussten, und entdeckten immer wieder diese Landschaft, die dem Meer Stück für Stück abgerungen wurde.

Spätestens nach dem Besuch war klar, warum Grand-Pré heute als nationale Gedenkstätte gilt. Für uns war es jedenfalls der Höhepunkt des Tages.

Nach Grand-Pré ging es weiter in Richtung Blomidon. Da wir ohnehin auf dem Weg waren, wollten wir natürlich auch den Blomidon Lookoff mitnehmen. Die Anfahrt war problemlos zu finden und das Wetter zeigte sich zwischenzeitlich sogar etwas gnädig. Zwar blieb der Himmel überwiegend grau, aber zumindest blieb es zunächst trocken.

Der Abstecher lohnte sich auf jeden Fall. Vom Aussichtspunkt hat man einen beeindruckenden Blick über das Minas Basin, den östlichen Ausläufer der Bay of Fundy. Von hier oben bekommt man erstmals eine Ahnung von den Dimensionen der Landschaft, die die Gezeiten über Jahrtausende geprägt haben.

Danach sollte es eigentlich nur noch ein kurzes Stück bis zum Blomidon Provincial Park sein. Eigentlich.

Die Zufahrtsstraße erwies sich nämlich als gesperrt. Das allein wäre noch kein großes Problem gewesen, allerdings fehlte jede geeignete Möglichkeit, das Wohnmobil zu wenden. Also fuhren wir erst einmal weiter. Und weiter. Und noch ein Stück weiter. Eine Wendemöglichkeit fanden wir schließlich erst in Scots Bay. Dort drehten wir um und machten uns auf den kompletten Rückweg, um den Provincial Park stattdessen über die Küstenstraße zu erreichen.

Währenddessen erinnerte uns das Wetter daran, dass die Prognosen für diesen Tag durchaus ernst zu nehmen waren. Immer wieder zogen kräftige Regenschauer durch und begleiteten uns auf den letzten Kilometern.

Irgendwann erreichten wir dann aber doch den Blomidon Provincial Park. Nicht ganz so direkt wie geplant, dafür mit einer ungeplanten Rundfahrt durch einen weiteren Teil von Nova Scotia.

Unser Stellplatz entschädigte uns dann aber für das eher durchwachsene Wetter des Tages. Direkt vor uns lag das Minas Basin, und als am Abend auch noch der Regen aufhörte, konnten wir sogar noch eine ganze Weile draußen sitzen und die Aussicht genießen.

Später wurde es dann doch etwas frischer, sodass wir uns ins Wohnmobil zurückzogen. Dort wurde eine der am Morgen erworbenen Flaschen Wein aus Grand Pré geöffnet. Während draußen langsam die Dämmerung über das Basin zog, ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Ein deutlich besseres Ende, als der verregnete Morgen hatte erwarten lassen.

Tag 2: Zusammentreffen mit Harvey

Relativ früh ging es zum Frühstück im Hotel. Ehrlich gesagt hatten wir bei einem Flughafenhotel nicht viel erwartet, wurden aber positiv überrascht. Neben Kaffee, Saft, Joghurt, Toast und Bagels gab es auch Eier und Würstchen. Deutlich umfangreicher als das, was wir von vielen Hotels auf früheren Reisen gewohnt waren.

Anschließend warteten wir auf die Übergabe unseres Wohnmobils „Harvey“. Nicole, die Vermieterin, hatte sich bereits am Vortag gemeldet und angekündigt, dass es eventuell etwas später werden könnte, da ein Defekt aufgetreten sei. Aus der ursprünglich geplanten Übergabe um 10 Uhr wurden dann erst 11 Uhr und schließlich eher halb zwölf. Aber wir hatten Urlaub und der Campingplatz lag nur etwa 40 Kilometer entfernt, also bestand kein Grund zur Hektik.

Bei der Übergabe erfuhren wir dann auch den Grund für die Verzögerung. Am Herd war ein Gasleck festgestellt worden, also nichts, was man mal eben ignorieren sollte. Die Gasversorgung war deshalb stillgelegt worden und stattdessen bekamen wir einen elektrischen Zweiplattenkocher mit auf den Weg. Lieber so als anders. Davon abgesehen verlief die Übergabe schnell und unkompliziert. Diese Art Wohnmobil kannten wir schließlich schon von früheren Reisen.

Nach der problemlosen Übergabe von Harvey machten wir uns zunächst auf den Weg zum Atlantic Superstore. Auf früheren Reisen war unser erster Großeinkauf meist bei Walmart erfolgt, diesmal wollten wir einmal etwas anderes ausprobieren. Schließlich mussten wir das Wohnmobil für die kommenden Wochen mit allem versorgen, was man als Selbstversorger so benötigt.

Wie sich herausstellte, kann man problemlos mehrere Stunden in einem kanadischen Supermarkt verbringen. Neben der eigentlichen Einkaufsmission gab es schließlich auch jede Menge zu entdecken. Besonders beeindruckend waren die lebenden Hummer, die in großen Becken auf ihre Kundschaft warteten. Daran merkt man dann doch recht schnell, dass man in den Atlantikprovinzen angekommen ist.

Nach rund vier Stunden hatten wir ausreichend Lebensmittel für die ersten Tage, einen guten Überblick über kanadische Supermärkte und einen deutlich leichteren Geldbeutel. Wir konnten uns endlich auf den Weg zum nächsten Pflichttermin machen.

Der führte uns gleich nebenan zum NSLC, den staatlichen Wein- und Spirituosenläden von Nova Scotia. Dort waren wir vor allem von der großen Auswahl regionaler Weine überrascht. Dass in Nova Scotia Wein angebaut wird, war uns bekannt. Wie viele Weingüter und unterschiedliche Weine aus der Provinz dort vertreten waren, dagegen eher nicht.

Noch größer war die Freude allerdings, als wir einen alten Bekannten wiederentdeckten: einen Ahornsirup-Sahnelikör, den wir bereits auf unserer Reise durch Québec kennengelernt hatten. Manche Dinge müssen einfach mit ins Wohnmobil. Rein aus nostalgischen Gründen natürlich.

Irgendwann waren die Einkäufe verstaut, die Koffer ausgepackt und Harvey eingerichtet. Damit konnte der Urlaub dann endlich richtig beginnen. Unser Stellplatz auf dem KOA Halifax war recht offen gelegen. Einen schattenspendenden Baum gab es zwar, bei dem Wetter spielte das allerdings keine große Rolle.

Natürlich durfte am ersten Abend auch ein Lagerfeuer nicht fehlen. Das erwies sich allerdings als etwas hartnäckiger als gedacht. Das am Campingplatz gekaufte Brennholz hatte offenbar noch recht viel Feuchtigkeit gespeichert und zeigte zunächst wenig Begeisterung für unsere Pläne. Nach einiger Überzeugungsarbeit, unterstützt durch einen Teil der mitgebrachten BILD-Zeitung, kamen die ersten Flammen dann doch in Gang.

Hilfreich war dabei auch die Camping-Axt, die uns schon im vergangenen Jahr in Ontario und Quebec gute Dienste geleistet hat  und die extra den Weg von Deutschland nach Kanada antreten durfte. Man weiß schließlich nie, wann man sie braucht. An diesem Abend stellte sich heraus: genau jetzt.

Große Kochaktionen gab es nicht mehr. Nach dem ausgedehnten Einkauf und den vielen neuen Eindrücken reichten uns ein paar Snacks vollkommen aus. Dazu gab es ein, zwei Bierchen, während das Feuer langsam besser brannte und der erste richtige Abend im Wohnmobilurlaub begann.

Viel mehr brauchte es eigentlich nicht. Wir waren angekommen, Harvey war bezogen und die nächsten Wochen lagen noch vor uns.

Tag 1: Zwischen Leberkäs und Poutine

Früh am Morgen ging es los, da die Lufthansa ja die glorreiche Idee hatte, im Juni Bremen komplett zu streichen, mussten wir also über München nach Frankfurt. Alternativen wie Bahn oder Auto hatten wir geprüft, aber verworfen. Aus Gründen.

Also pünktlich in Bremen in den Flieger und  eine Stunde später in München gelandet. Dort haben wir erst mal zünftig gefrühstückt (Brezel mit Leberkäs, die Maß Bier haben wir uns gespart) und dann weiter zum Gate für den Weiterflug nach Frankfurt. Hier dauerte es, da die Maschine schon verspätet aus Frankfurt erwartet wurde. Aber wir hatten auch in Frankfurt genug Zeit, der Weiterflug nach Halifax war erst am Nachmittag.

Als wir dann endlich im Flieger saßen, dauerte es noch eine Weile. Dann meldete sich der gut gelaunte Pilot und erklärte die Lage. Die Maschine sei schon deutlich verspätet übernommen worden und jetzt sei auch noch ein Defekt an den Geräten für die Beladung. Aber da die Piloten der Meinung waren, dass die Passagiere es schon toll finden würden, wenn ihr Gepäck auch mitfliegt, haben sie sich entschieden, zu warten. Aber er hat versprochen, dass – sobald sie gestartet sind – der Schubhebel bis zum Anschlag nach vorne geschoben werden sollte, damit zumindest etwas Zeit wieder aufgeholt werden könnte. Naja, wir haben Urlaub und genug Zeit zum Umsteigen. Wird schon passen. Und ja, auch wir waren dankbar, dass unsere Koffer mit uns weiterreisen.

In Frankfurt stand dann ein Terminalwechsel an. Mit Sicherheitskontrolle. Und die fing schon mal gut an, vor dem Kontrollbereich waren einige Monitore außer Betrieb bzw. wussten zu berichten, dass der Computer nicht gestartet werden konnte und kein Betriebssystem gefunden hat. Bei der Durchleuchtung wurde uns gesagt, dass nichts aus den Rucksäcken herausgeräumt werden musste. Wenig später haben wir dann gesehen, warum: Das haben dann Kollegen am Ende der Bänder erledigt. Und auch das bedeutete viel Warten, da etwa jede zweite Tasche aussortiert wurde zur weiteren Kontrolle. Ach so, auch dort waren einige Monitore defekt, die IT kam gerade vorbei, um aus anderen Geräten Teile aus- und in die defekten einzubauen… Ziemlich kurios das Ganze.

Aber wir haben unseren Flieger nach Halifax mit immer noch etwas Zeit gut bekommen und da wir wieder Premium Economy gebucht hatten, war auch der Flug sehr angenehm. Der zusätzliche Platz schafft doch viel Entspannung. Und etwas Rotwein hilft auch mit.

In Halifax war die Einreise sehr unkompliziert, alles elektronisch, Mitarbeitende, die helfen konnten waren auch viele da.  Ein Beamter der Immigrationsbehörde schaute kurz auf den Ausdruck vom elektronischen Einreiseterminal und winkte uns durch. Dann mussten wir noch unsere Koffer in Empfang nehmen (Danke nachträglich an die Piloten in München!) und wir waren in Kanada.

Ein Shuttle vom Hotel holte uns ab und so waren wir nach einem langen Tag angekommen. Ausgeklungen ist der für uns mit einer Runde Schwimmen im Indoor-Pool (für draußen war es uns dann doch schon zu kühl) und später gab es dann noch eine Poutine (die muss einfach mindestens einmal sein, wenn wir in Kanada sind) und ein lokales Bierchen.